Ziemlich überraschend hatte im April die schwerpunktmäßig im Sanitärbereich aktive Bravat-Gruppe dem Italiener Snaidero den Meller Küchenbauer Rational abgekauft. Seit Juli ist als General Manager Dogan Yalin an Bord, der in dieser Messewoche viele Fragen beantworten musste. Vor allem: Wieso hat Bravat - mit 12.000 Mitarbeitern um die 1,5 Mrd US-Dollar Umsatz schwer - in Melle investiert?
Yalin erklärt, dass Bravat schwerpunktmäßig „in der Nasszelle“ aktiv sei, aber auch im Bauwesen. Und dort braucht es zur Komplettierung des Portfolios bei Objekten, in Asien oder Middle East: Küchen. Man hat also gezielt nach einer Übernahmemöglichkeit gesucht, um das Küchensegment bedienen zu können. „Die Prozesse müssen in einer Hand liegen“, sagt Yalin. Nun fertigt Rational bekanntlich seit Jahren nicht mehr selbst, sondern lässt bei der früheren Muttergesellschaft in Majano produzieren. So soll das auch bleiben, das wurde vertraglich fixiert. Yalin: „Snaidero ist nun externer Lieferant, da braucht es viel Feintuning. Es gilt jetzt, die Prozesse so zu normalisieren, dass alles wieder Alltag wird.“ In Riemsloh wurden sechs neue Mitarbeiter eingestellt. 55 sind es jetzt, weitere werden gesucht, für Innendienst, Kundenservice, Planung. Neu dabei ist auch Jörg Krüger als Leiter Qualitätsmanagement. Krüger hat auch Knowhow in Sachen Materialbeschaffung. Komponenten in der Umgebung von Riemsloh zu beschaffen, Muster beispielsweise, könnte einige Prozesse beschleunigen. Auch in Majano hat Rational einen Qualitätsbeauftragten vor Ort - aus Snaidero-Sicht nicht selbstverständlich, so etwas zuzulassen, sagt Yalin. Die gesicherten Kapazitäten bei Snaidero hat Rational gerade um 50 Prozent erweitert, um der gestiegenen Nachfrage Herr zu werden. Im ersten Halbjahr wurden auf dem deutschen Markt 18 Prozent Plus eingefahren, im Export waren es 38 Prozent.
Sobald die Zusammenarbeit mit Bravat im Objektbereich anläuft, müssen auch Größenordnungen von mehr als 1.000 Küchen möglich sein. In Majano offenbar möglich, weil Snaidero selbst im Objektgeschäft tätig ist. In Riemsloh setzen sie die Priorität aber erstmal auf die DACH-Märkte. Yalin: „Wir sind noch ganz am Anfang. Wir müssen die Basics schaffen und zunächst nicht optimale Prozesse korrigieren.“ Dazu gehören auch Investitionen in die IT. Ein neues ERP-System soll eingeführt werden, im Vorfeld wurden alle Arbeitsplätze neu ausgestattet.
Das Messemotto in diesem Jahr: „So viel mehr als Küche“. Auch Rational zeigte offensiv, was über die Küche hinaus alles möglich ist, von Ankleide bis zum kompletten, Alexa-gesteuerten Apartment. Auch das Thema „Natur“ haben sie in Melle groß hervorgehoben. Es findet sich wieder in den neuen Holzschubkästen von Van Hoecke, Materialien wie Keramik oder der ziemlich abgefahrenen Lavendelrückwand von Organoid.
Als erster Küchenhersteller ist Rational kürzlich dem Color Net Work beigetreten. Jedes Jahr sucht ein anderes Expertengremium namhafter Designer und Innenarchitekten nach einer besonderen Farbe, die es durch Zeitgeist, Langlebigkeit und Kombinierfreudigkeit verdient hat, eine der „Sustained Colors“ zu werden. Der Hintergrund: Nachhaltigkeitsaspekte.
Den Bogen zum neuen Inhaber hat man in der Ausstellung über die neue Armatur Bravat O3 gespannt. Deren Besonderheit: Mit Ozon werden beim Abwaschen Bakterien, Viren und Pestizide zerstört.