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INSIDE Küche

ZOW

  • Schlagzeile: Ein Nachruf
  • H1: Ein Nachruf auf die ZOW

So richtig gezogen hat die ZOW schon seit Jahren nicht mehr. Trotzdem wurden wehmütige Stimmen laut, als die Kölnmesse am vergangenen Freitag unter der Überschrift „ZOW wird vorerst ausgesetzt“ das Ende der einst so beliebten ostwestfälischen Zuliefershow verkündete. Für 2024 überdenke man „mögliche neue Formate“, heißt es aus Köln.

Schwer getan hat die ZOW sich schon unter ihrem Vorbesitzer Clarion. Die Engländer hatten dem ZOW-Gründer Peter H. Meyer und seiner Survey im Frühjahr 2010 die deutschen Messeaktivitäten abgekauft, nachdem Survey sich bei seiner internationalen Expansion verkalkuliert hatte. Mit Standortwechseln (von Pordenone nach Verona, von Madrid nach Valencia, innerhalb von Shanghai und innerhalb von Moskau) und Terminverschiebungen wie in Istanbul wurden funktionierende Veranstaltungen geschwächt. In Deutschland konzentrierten sich immer mehr Aussteller auf die Interzum.

Einfacher wurde es auch unter Clarion nicht. Die Glanzzeiten mit 710 Ausstellern und über 15.000 Besuchern in Bad Salzuflen waren vorbei. Die auf wenige Hallen zusammengeschrumpfte Regional- Schau wurde 2016 an die Kölnmesse übergeben, die auf einen Zweijahresrhythmus umstellte und als Trumpf die gemeinsame Vermarktung von Interzum und ZOW in der Tasche zu haben schien. Half nichts. 2020 kamen unter Kölnmesse-Regie nur noch 111 Aussteller und 2.631 Besucher. Für Februar 2022 hatten dann noch gut 50 Aussteller zugesagt, Corona-bedingt musste auf Mai verschoben werden, große Namen wie Salice zogen sich zurück und die Kölnmesse zog einen Schlussstrich. Vielleicht war es der Mai-Termin, der der ZOW den Todesstoß verpasst hat. Die wesentlichen Produktentscheidungen für den Herbst werden in den nächsten Wochen abgeschlossen.

Trotzdem wären einige Aussteller wie der Melaminkantenhersteller Kröning oder Decor Druck Leipzig (DDL) dabei gewesen. Stefan Gillmann von DDL sagt: „Für uns war die Messe immer recht erfolgreich, auch wenn sie zuletzt klein war. Die Kastenmöbelindustrie aus der Umgebung ist gekommen.“ Kröning- Vertriebsleiter Michael Recke: „Wir hätten trotzdem die Fahne hochgehalten. Für uns als kleines Unternehmen war die ZOW eine sehr komfortable Messe, weil man sich nicht um die Peripherie kümmern musste.“ Kröning erinnert sich noch gut an die Glanzjahre der ZOW, als das Who‘s who der Branche über die Stände drängte. Und an die Anfänge im Haus Aussel und dann in Rietberg. 1995 nämlich fand die erste „echte“ ZOW mit 49 Ausstellern im Musterring-Ausstellungszentrum statt. Das Konzept mit vorgefertigten einheitlichen Ständen und inkludiertem Catering, an dessen Entwicklung die Industrie mitgewirkt hatte, war damals einmalig.

Gescheitert ist die ZOW gewiss nicht am Termin allein. „Für 30.000 Euro Investition mit allem Drum und Dran muss ich eine halbe Million Umsatz reinholen“, sagt ein abgesprungener Aussteller, der nun ersatzweise mit einem Showtruck auf Tour gehen will. „Die Kundschaft ist messemüde. Natürlich will man nach der Corona-Zeit raus und Kontakte knüpfen, aber es braucht einen anderen Ansatz“. Kröning-Mann Recke sieht es ähnlich: „Die Zeiten, in denen auf der Messe ein Dekor auf einer Staffelei enthüllt wurde, sind längst vorbei. Mit den großen Kunden tauschen Zulieferer sich doch die ganze Zeit aus.“ Oder man entwickelt gleich mit ihnen zusammen.

„Wir haben andere Zeiten und es war zum Schluss ja schon alles anders. Heute gibt es neue Formate wie zum Beispiel die Interior Days“, sagt Katrin de Louw, die mit ihrer Agentur Trendfilter Sonderflächen für die ZOW gestaltet hat – und bereits als Studentin auf der Messe gejobbt hatte. Heuer werden sich Aussteller und Einkäufer auch aus der deutschen Industrie noch mehr als sonst auf die Sicam in Pordenone fokussieren. Für Zulieferer, die gern in OWL auch unterjährig präsent wären, hat das 2007 auf Initiative von de Louw als Servicepoint A30 gegründete Furniture Future Forum auch noch einzelne Kojen frei. Seit Pandemie-Beginn waren die gemeinschaftlichen Events der dortigen Aussteller (u.a. Christian Kröger, Continental, Furnipart, Hera, Linak, Neelsen, Schattdecor oder Sonae Arauco) kleiner ausgefallen. „Wir wollen jetzt aber wieder größer werden“, sagt de Louw. 600 qm Ausstellungsfläche stehen zur Verfügung, wo aber ausschließlich Neuheiten gezeigt werden sollen. Im Vordergrund stehen die Events nach dem Motto „Industry at work“ – womit wir wieder bei den Anfängen der ZOW angelangt wären.

  • Schlagzeile: Noch so viel zu tun
  • H1: Es gibt noch so viel zu tun - ein Weckruf von Harald Klüh

Die Branche steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Sie muss ihn aktiv angehen, die großen Umwälzungen ernst und annehmen und neue, kundennahe Modelle entwickeln, so erfolgreich sie auch immer war, gerade weil sie immer so konservativ war. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Ein Weckruf von Harald Klüh

In einer Zeit, in der kein Stein auf dem anderen bleibt, in der alles neu gedacht und transformiert werden muss, sollte auch die Möbel- und Küchenindustrie endlich anfangen, Bewährtes zu hinterfragen und nach neuen Geschäftsmodellen Ausschau zu halten, denn ein „Weiter-so“ wird – meines Erachtens – direkt ins Abseits führen.

Auf die Frage, was denn in zehn Jahren anders sein wird als heute, lautet meine Antwort üblicherweise: „Alles.“ Insbesondere wenn es um Möbel und Küchen geht, sind große Veränderungen zu erwarten. Schon seit Jahren versuche ich bei meinen Vorträgen auf die wichtigsten Einflussfaktoren hinzuweisen. Ob Urbanisierung, New City Development, Silver Society, New Work, New Living oder veränderte Essgewohnheiten – alles nimmt Einfluss auf die Art und Weise, wie wir künftig wohnen und welche Rolle Möbel oder Küchen spielen werden.

Dazu kommen die dramatischen Umwälzungen, die künstliche Intelligenz und der Klimawandel mit sich bringen werden. Das sind die eigentlichen Transformationstriebwerke. Ich bin der festen Überzeugung, dass die bevorstehende gesellschaftliche Veränderung einen größeren Einschnitt bedeutet als die industrielle Revolution und das Internet zusammen. Alles wird sich verändern. Neu sortieren. Wir als Branche müssen aufpassen, dass uns diese Lawine nicht unvorbereitet trifft und in vernichtender Weise überrollt. Daher ist es Zeit für einen gutgemeinten Weckruf Richtung Möbel- und Küchenindustrie.

Küchenplanung mit KI und mehr

Ich erwarte, dass in Kürze auch die Planung einer Küche, ja ganzer Wohneinheiten, mit KI-Software möglich sein wird. Wenn die Algorithmen einst mit all den heute gängigen Standards gefüttert sind, werden sie perfekte Ergebnisse liefern. Dann gibt man einfach die räumlichen Gegebenheiten vor und erhält innerhalb weniger Augenblicke konkrete Vorschläge, wie die neue Küche oder die neue Wohnung ausschauen kann. Fotorealistisch bis ins Detail inszeniert und virtuell begehbar. Dabei reduziert sich die Darstellung nicht wie heute auf Raum, Möbelanordnung und Oberflächen, sondern überzeugt vor allem durch stilistisch passende Accessoires in der gewählten Preiskategorie – vom Bodenbelag über Vasen und Teller bis hin zu den Bildern an den Wänden.

Diese Vorstellung ist magisch und erschreckend zugleich. Schon das Gedankenspiel lässt uns sofort Chancen und Risiken erkennen. Aber was bedeutet das konkret? Hat die kreative Planung dann noch einen Wert? Welche Werte lassen sich künftig überhaupt noch generieren? Davon ausgehend, dass KI-Tools auch Verbraucherinnen und Verbrauchern zur Verfügung stehen werden, muss die Frage erlaubt sein, welche Rolle dann den heutigen Küchenstudios und ihren Fachberatern zufällt.

Was will ich sagen: Wir sollten uns besser heute als morgen mit den Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz vertraut machen und dieses wunderbare Instrument zum eigenen Vorteil nutzen. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

In erster Linie wird es darum gehen, vom ewigen „mehr, mehr, mehr“ zum „besser, besser, besser“ zu kommen. Volumen ist per se kein wertsteigerndes Merkmal. Qualität und Nachhaltigkeit sind es hingegen schon.

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  • Schlagzeile: Hartes Einbaugerätegeschäft

Die Zahlen, die der ZVEI heute rausgeben hat, dürften niemanden überraschen, der mit Hausgeräten zu tun hat. 10 Mrd Euro erreichte der Hersteller-Umsatz mit Haushalts-Groß- und Haushalts-Kleingeräten 2023 im Inland. Das sind 4 Prozent weniger als im Vorjahr. Während es bei den Kleingeräten beim Umsatz um 1,5 Prozent nach oben ging, litt vor allem das Geschäft mit Großgeräten, dort

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