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INSIDE Küche

  • Schlagzeile: Von Anfang bis Ende

Innerhalb von mehr als 50 Jahren hat sich der Münchner Küchenfachhändler Süß & Bierl im Stadtteil Giesing einen Namen gemacht. Seit rund einem Jahr ist dort mit Martin Bierl die 2. Generation am Ruder. Ein Besuch vor Ort.

Der erste Blick ins Geschäft überrascht. Gut die Hälfte des Küchenstudios steht voller Kartons. An der rechten Wand, wo vor Kurzem wohl noch eine Küche aufgebaut war, schaut einem eine Betonwand entgegen. „Wir haben eine Musterküche verkauft“, sagt Martin Bierl, Mitinhaber und Geschäftsführer von Süß & Bierl. „Deshalb herrscht hier gerade etwas Unordnung“. Er wirkt zufrieden. Die Geschäfte laufen offenbar. Und tatsächlich könnte die Lage für kleinere Küchenhändler schwieriger sein in diesen Pandemie-Zeiten, in denen Kundenkontakte derzeit zumindest über Click&Meet oder online möglich sind.

„Wir sind in einer relativ guten Situation, weil wir 95 Prozent Empfehlungskunden haben“, erklärt Bierl. „Was den Auftragseingang betrifft, sind wir super unterwegs“. Aber natürlich schwingt bei jedem Satz auch ein wenig Sorge mit: Was, wenn wichtige Bauprojekte zum Stehen kommen? Was, wenn Monteure Corona bedingt ausfallen?

Bierl schaut dennoch positiv nach vorne. Bislang lief das erste Jahr für ihn in seiner Position im Familienbetrieb gut. Im Februar hatte sein Vater Gerhard Bierl sich offiziell aus dem Geschäft zurückgezogen. Martin Bierl übernahm die Anteile und ist seitdem, neben seiner Mutter Gabriele und Peter Haas, Geschäftsführer. Vor seinem Eintritt in das Unternehmen der Eltern hat er eine Ausbildung als Versicherungskaufmann und ein BWL-Studium absolviert, arbeitete aber immer wieder nebenbei im Küchenstudio, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. „Eine der ersten Amtshandlungen im Februar war es, sich um Sachen wie Kurzarbeitergeld zu kümmern“, sagt Bierl. „Das war natürlich ungewöhnlich, aber mit der Unterstützung meiner Mutter und Herrn Haas, kamen wir gut durch diese erste Phase voller Ungewissheiten“.

Gut sichbar vom Edelweißplatz aus: Süß & Bierl

Große Glasfronten erlauben schon von außen einen Blick ins Innere

Wie viele andere Küchenhändler auch, hat Süß & Bierl in der Pandemie-Zeit mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Verlängerte Lieferzeiten der Hersteller verzögerten die Fertigstellung der Küchen. Zum Teil wurde das mit dem verstärkten Einbau von Leihgeräten kompensiert. Hinzu kam, dass statt über das sonst übliche Gespräch im Geschäft viele Kunden online beraten werden mussten. Dass das Modell der Online-Beratung über die Zeit der Pandemie hinaus Bedeutung haben wird, glaubt Bierl nicht. Küchen müsse man anfassen, Schubkästen ausprobieren, um die Qualität zu spüren, sagt er. Zudem sei die Ablenkung in Video-Calls aus seiner Erfahrung heraus oft zu groß. „Die Qualität der Planungsgespräche ist im Studio oft wesentlich höher“, sagt Bierl. Noch dazu, weil es bei den Gesprächen um Küchen geht, die in der Regel bei einem Wert zwischen 15.000 und 50.000 Euro eine große Investition darstellen.

Süß & Bierl ist mittlerweile eine Institution für den Küchenverkauf im Münchner Stadtteil Giesing. Angefangen hat alles vor etwas mehr als 50 Jahren – und zwar keineswegs mit Küchen, sondern mit Öfen. 1966 starteten die Gründer Georg Süß und Gerhard Bierl ihr Geschäft mit dem Verkauf von Öl- und Gasöfen in der Eduard-Schmidt-Straße, nahe der Isar. Ende der 60er Jahre ging`s dann tatsächlich mit dem Küchenverkauf los: Sie eröffneten ein Milmö-Studio, ein Vorgänger späterer Allmilmö-Studios. In den Folgejahren wechselten die Namen großer Marken, die von Süß & Bierl verkauft wurden: Poggenpohl, Bulthaup, Goldreif. Seit einigen Jahren aber fokussiert sich Süß & Bierl mit dem neuen Standort am Münchner Edelweißplatz auf Küchen der deutschen Hersteller Häcker, Nobilia, Ballerina und auf die Handelsmarke Apéro des GfM-Trend-Verbundes, zu dem der Küchenhändler seit 1983 gehört.

Der Wechsel von der Eduard-Schmitt-Straße an den Edelweißplatz war notwendig geworden, weil das Geschäft gewachsen ist und die verwinkelte Architektur des alten Standortes die Möglichkeiten der Küchenpräsentation zu stark beschränkte.

Deutsche Küchenhersteller im Portfolio: Hauptlieferant Häcker, Nobilia für die Abrundung nach unten, Ballerina für die Abrundung nach oben. 

Heute werden bei Süß & Bierl auf rund 150 qm kontinuierlich rund fünf Musterküchen präsentiert, dazu gibt es auch einen kleinen Ausstellungsbereich für das Bad-Sortiment, das die Küchenlieferanten Häcker und Nobilia neben dem Küchensortiment bereitstellen. Vier Mitarbeiter arbeiten im Verkauf, ein Mitarbeiter im Backoffice und Gabriele Bierl kümmert sich um die Buchhaltung.

Das Besondere seines Küchenstudios sieht Bierl darin, dass seine Kunden wirklich von Anfang bis Ende intensiv betreut werden. „Wir haben Kunden, die zwei Jahre bevor die Küche fertiggestellt ist, bezüglich des Elektroplans kommen. Und wir betreuen das alles mit einem Ansprechpartner – bis zur Fertigstellung. Sowas kann die Großfläche nicht“, sagt Bierl.

Inselblöcke, exklusive Hauben: Bei Süß & Bierl ist nach oben hin viel möglich.

Küchenhändler mit Tradition: Seit 1966 bringt Süß & Bierl Küchen an den Kunden. 

Außerdem sei Süß & Bierl von der Montage-Philosophie anders. Bierl: „Wir sagen: Jeder Kunde, egal wie teuer die Küche ist, soll die beste Montage erhalten. Unsere Monteure wissen auch nicht, wie viel die Küche kostet, die sie installieren. Sie werden nur nach Zeit und Aufwand bezahlt, was eine gleichbleibende Qualität gewährleistet.“ Kurzum: Das Beste herausholen, was insbesondere Termintreue und Zuverlässigkeit angeht, darin will sich Süß & Bierl von den Markbegleitern differenzieren. In den letzten rund 50 Jahren ist dies gut gelungen, und viel spricht dafür, dass es auch künftig gut gelingt.

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