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EMV/KSV

„Kein Freibrief für die Industrie“

30. August 2021, 14:25
EMV-Zentrale in Fahrenzhausen

Zurück zu Konventionalstrafen mitten in Zeiten heißer Beschaffungsthemen und langen Lieferzeiten? Mancher aus der Industrie hat da in der vergangenen Woche geschluckt, als er ein Schreiben aus Fahrenzhausen auf dem Tisch hatte, dem zu entnehmen war, dass man ab dem 1.9.2021 wieder „auf die vertraglichen Regelungen hinsichtlich einer Nichteinhaltung der angegebenen Lieferfristen zurückgreifen“ wolle.

Anruf bei Ulf Rebenschütz, EMV- und KSV-Geschäftsführer, der erklärt, dass die Lieferantenverträge in Fahrenzhausen standardmäßig Konventionalstrafen-Regelungen enthalten und diese im Zuge der Pandemie auch nicht wie bei anderen Verbänden explizit ausgesetzt wurden. Nichtsdestotrotz hätten sich die Gesellschafter der Industrie gegenüber kollegial verhalten, wenn es zu Verzögerungen kam. „Wir haben das nie offiziell gemacht, weil wir wussten, dass unsere Gesellschafter sich fair verhalten“, sagt Rebenschütz. „Jetzt ist es aber an der Zeit wieder in ein normales Fahrwasser zu kommen“. Bei allem Verständnis für die Beschaffungssituation auch auf Lieferantenseite brauche der Handel, der schließlich auch dem Endverbraucher verpflichtet ist, zuverlässige Aussagen. Was man nicht wolle sei ein „Freibrief für die Industrie.“

Wenn die Lieferzeiten statt acht Wochen zwölf Wochen betragen, sei das auch akzeptabel. Bloß müssen die zwölf Wochen dann auch eingehalten werden. „Wir sind nach wie vor bereit, Lieferzeiten, die temporär befristet erforderlich sind, zu berücksichtigen. Setzen Sie sich in diesem Fall mit uns in Verbindung“, steht dann auch in dem Lieferantenschreiben. Rebenschütz: „Das Problem entsteht, wenn es kurzfristige Änderungen gibt oder der Termin mehrmals verschoben wird. In den letzten Monaten konnte zu oft gar keine Aussage zur Lieferzeit getroffen werden oder es kam zu kurzfristigen Verschiebungen. Manche Hersteller scheuen sich auch vor der realistischen Lieferzeitenangabe, weil sie sie als Wettbewerbsnachteil sehen. Doch für Händler, die ja im Vorfeld alles organisieren mussten, bedeutet es einen Riesenaufwand, wenn der Termin platzt, und auch hohe Kosten. Mal davon abgesehen, dass es schwierig ist, manchen Kunden zu besänftigen. Das fällt auf das Image des Handels zurück.“

Zum knallharten Konventionalstrafen-Bolzer wird sich EMV mit seiner Ansage sicher nicht entwickeln. „Industrie und Handel kriegen das nur gemeinsam gestemmt“, sagt Rebenschütz. „Es geht um Zuverlässigkeit.“

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