Christoph Kilian im Interview
Christoph Kilian im Interview
„Wir arbeiten an einer modernen Wachstumsgeschichte“
Der Schweizer Hausgeräte-Hersteller V-Zug hat Deutschland zum Fokusmarkt erklärt. V-Zug-CEO Christoph Kilian im INSIDE-Interview über Herkunft und Ziele.
INSIDE: Der Hausgerätemarkt ist im Umbruch. Es werden Werke geschlossen, es wird verlagert. Aus China kommen unzählige neue Anbieter. Die geopolitische Lage ist angespannt. Und Sie bei V-Zug investieren Millionen in den Standort, in neue Entwicklungen und neue Märkte. Leben Sie auf einem anderen Planeten als Ihre Wettbewerber?
Christoph Kilian: Wir müssen uns der Realität auf der Welt stellen, das machen wir aber auf unsere Weise. Mit unserer Geschichte, unseren Werten, einer klaren Positionierung und einem verantwortungsvollen Produktionsan¬satz, der den Unterschied macht. Zeitloses Design und zunehmend auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtete Prozesse sind wichtige Bestandteile unserer Entwicklung und Herstellung. Unsere Schweizer Herkunft kommt zudem in den Ländern, in denen wir aktiv sind, gut an. Wir gehen unseren Weg.
Made in Germany ist auch ein starkes Argument. Dennoch ist Made in Germany hart im Umbruch.
Natürlich hat die Herkunft bei einem deutschen Produkt nach wie vor Zugkraft, noch immer und hoffentlich noch sehr lange. Ich würde aber sagen, wir können unser Swiss made heute offensiver spielen. Die Unternehmen hier sind äußerst anpassungsfähig. Der Mittelstand exportiert, auch mit starkem Franken. Heißt für uns: Wir müssen extrem effizient sein, um die Balance zu halten. Und wir müssen Mehrwert in Produkt und Service bieten, die die Kunden erkennen und unbedingt haben wollen.
Bleiben wir erstmal beim Blick auf Deutschland und der, sagen wir mal, liebevollen Rivalität zwischen den Nachbarländern Deutschland und Schweiz. Aus der Schweiz nimmt man schon immer stärker einen kritischen Blick zur Lage in Deutschland wahr. Gleichzeitig gehen Sie als deutscher Manager zu einem Schweizer Traditionshersteller. Da gab es zumindest keine Vorbehalte?
Ich konnte in den Gesprächen im Vorfeld offenbar darlegen, dass ich mich hier einfügen kann. V-Zug hat eine besondere Geschichte, besondere Werte. Das geht beim Empfang los, das bezieht unsere Gourmet Academy, in der wir eigene Köche ausbilden, genauso mit ein wie die nachhaltige und stark auf die Zukunft ausgelegte Produktion. Es geht hier um einen starken Bezug zur Region, zum Netzwerk vor Ort. Gleichzeitig will sich V-Zug verstärkt eine internationale Perspektive erarbeiten. Für mich gilt es, die Balance aus Tradition und einer neuen Dynamik zu sehen. Ja, auch eine neue Dynamik auszulösen, die aber immer zu unseren Werten passt. Das ist mein Job, eine tolle Aufgabe. Anders gesagt: Wir investieren nicht nur in die Ausbildung und unsere Teams hier, sondern auch in hochmoderne Roboter in der Produk¬tion. Wir bewegen uns im Jahr 2026 und nicht etwa auf einer Insel.
Wie blicken Sie auf den Industriestandort Deutschland heute?
Aus der Schweizer Perspektive schaut man da in der Tat teilweise kritisch drauf. Wir wünschen uns alle, dass sich die Dinge in Deutschland wieder zum Positiven wenden und Wachstum und neue Perspektiven entstehen.
Wie vorteilhaft ist es, in Zug mit dem bekannten Steuersatz seinen Sitz zu haben?
Zug ist eine besondere Stadt mit attraktiver Wirtschaftspolitik und weltklasse Rahmenbedingungen. Wir erzielen hier allerdings auch sehr viel regionale Wertschöpfung. Natürlich kommt es auch uns entgegen, dass die Rahmenbedingungen wirtschaftspolitisch freundlich sind. Aber ein ausreichendes Argument ist das nicht, denn der unternehmerische Erfolg muss sich ja erstmal einstellen, um überhaupt Steuern zahlen zu können. Die positiven Standortfaktoren, eine vernünftige Regulierung, tolle Partnerschaften im lokalen Netzwerk – all das hilft natürlich. Nur so ist es zum Beispiel möglich, dass wir gerade mit einem Partner hier vor Ort ein Pilotprojekt vorantreiben, in dem wir durch Methanpyrolyse CO2-neutral unsere Hochleistungsöfen befeuern.
Zum Fokusland Deutschland. Sie haben mit Antonio Terrada nun einen Kollegen im Team, den Sie aus BSH-Zeiten bestens kennen. Zufall?
Mir ist es in jedem Fall lieber, Antonio ist bei uns im Team als im Team des Wettbewerbs. Im Ernst: Wir sind nun super aufgestellt und investieren in den deutschen Markt. Wir werden Marketing und Kommunikation stärken, in digitale Werbung investieren, die zentralen Events besuchen, deutlich sichtbarer werden. Wir haben einiges vor. Deutschland ist für uns ein wichtiger Markt, den wir sehr konzentriert bedienen wollen.
Sie sind nach Zug gezogen mit Familie, Sie gehen die Dinge auch hier nachhaltig an. Was ist Ihr Ziel in Zug?
Wir haben die Strategie geschärft, wir sind stolz auf das Bewährte, und wir arbeiten an der neuen Dynamik, die ich gerade beschrieben habe. Wir wollen uns jeden Tag weiterentwickeln, einen breiteren Branchenblick einnehmen, internationaler agieren. Wir arbeiten an einer modernen Wachstumsgeschichte – mitten in Europa und im Herzen der Schweiz. Das ist schon sehr speziell und reizvoll.
Post von INSIDE Küche
Der Küchenmarkt in 5 Minuten
Jeden Freitagmorgen in Ihrem Postfach