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Andreas Enslin im INSIDE Neue Ideen: „Strukturierte Daten sind die Grundlage für alles“

Andreas Enslin im INSIDE Neue Ideen

„Strukturierte Daten sind die Grundlage für alles“

19. Mai 2026, 4:54
Andreas Enslin

Seit Jahresanfang ist der frühere Miele-Designchef Andreas Enslin Mitgründer vom LösungsNetz. Das Start-up will das Expertenwissen der Babyboomer retten, zu denen auch Enslin gehört. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Industrie wirkte er zudem an den neuen Zukunftsszenarien des Verband Deutscher Ingenieure (VDI) mit.

Im INSIDE-Interview erklärt Enslin, wie sich verhindern lässt, dass Produkte schon bei der Markteinführung veraltet sind, warum agentische KI die Küchenvermarktung drastisch verändern wird und weshalb Datenqualität für den Mittelstand heute über Überleben und Scheitern entscheidet.

INSIDE: Andreas, seit Ende letzten Jahres bist du Rentner. Eigentlich. Stillsitzen ist wohl nichts für dich. Du hast erstmal ein Start-up gegründet, zusammen mit zwei anderen: das LösungsNetz.

Andreas Enslin: Ja. Der Name ist übrigens KI-generiert. Wieso haben wir das LösungsNetz genannt? In den letzten Jahren sind immer mehr Menschen aus den sogenannten geburtenstarken Jahrgängen, zu denen ich auch gehöre, in Ruhestand gegangen. Darunter sind Menschen, die Themen über 20, 30 oder 40 Jahre wirklich vertieft haben. Diese Menschen gehen der Industrie jetzt von Bord. Gleichzeitig haben wir weniger junge Menschen, und in der Produktentwicklung entsteht derzeit eine ziemliche Gemeinheit: Die Komplexität in der Technik und der Produktentwicklung erhöht sich exponentiell. In der deutschen Industrie entsteht so eine riesige Wissenslücke. Wer jetzt glaubt, man könne stattdessen die KI fragen, sollte mal überlegen, woher die denn ihr Wissen nimmt.

Wohl aus Daten, wenn es sie gibt.

Leider wurde dieses Expertenwissen in der Vergangenheit gar nicht digitalisiert. Das war, sagen wir mal, maximal ungeschickt. Und gleichzeitig sind neue Projekte eben viel komplexer als die vorherigen – und die Fachleute, die wissen, wie es geht, sind dann häufig nicht mehr da. Auf KI allein kann man sich nicht verlassen. Es wird nicht mehr lange dauern, dann merken die ersten Unternehmen, dass es richtig teuer wird, agentische KI einzusetzen.

Welches Know-how bringen denn deine Partner mit?

Wir sammeln es ein. Wir bilden mit unserem Unternehmen den Mantel, über den abgerechnet und auch analysiert wird, welcher Experte, welche Expertin für welche Problemlösung geeignet ist. Wir sind kein klassisches Beratungsunternehmen, das Zahlen und Daten durchnudelt. Wir lösen ein anderes Problem: Nur sehr selten haben Unternehmerinnen und Unternehmer außerhalb der Familie Sparringspartner, mit denen sie sich auf Augenhöhe austauschen können. Unter dem LösungsNetz-Mantel haben wir Fachleute, die den Überblick haben. Menschen, die ein oder zwei Tage mithelfen würden oder mal einen Tipp haben. Wir müssen nicht unsere Kapazitäten auslasten und Experten täglich vermitteln, um wirtschaftlich zu sein.

Eingangs sagtest du, Wissen sei nicht digitalisiert. Habt ihr in dieser Richtung etwas vor? Dass man eben digitalisiert für die Zukunft?

Das ist die schwierigste Aufgabe überhaupt. Viele Sachen sind schon aufgeschrieben. Es gibt Dokumentationen von Projekten. Die Feinheiten, auf die es ankommt, sind aber oft nicht darunter. Erfahrungswissen ist oftmals gar nicht direkt formulierbar. Es sind Heuristiken, die Menschen sich angeeignet haben. Wir entscheiden aus dem Bauch, Menschen arbeiten nicht gut mit Wahrscheinlichkeiten. Wir arbeiten mit Wohlfühlen.

Und in Zukunft?

Vielleicht wird es zukünftig mehr Erfahrungswissen in KI-Systemen geben, das kann ich mir vorstellen. Momentan ist aber auch eine hohe Fehlerrate in solchen Systemen drin. Viele Unternehmen lernen gerade, dass es nicht immer eine gute Idee ist, durchzuautomatisieren und Leute zu ersetzen. Es ist viel wichtiger, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu ertüchtigen, damit Wissen qualifiziert und strukturiert entsteht. Wir brauchen kuratiertes Fachwissen.

Ins LösungsNetz fließen viele unterschiedliche Bereiche ein. Deiner wird vermutlich Produktentwicklung sein, oder?

Hier und bei Marke und Design habe ich eine Expertise von mehr als 40 Jahren. Andere Menschen, die wir an Bord haben, waren zum Beispiel im Vorstand einer Bank oder kommen aus der Software-Entwicklung oder aus der Cybersecurity. Unser Netzwerk besteht aus 40 bis 50 Experten und Expertinnen. Bedingung für uns ist, dass sie nicht mehr bei einer Firma angestellt sind, um Wettbewerbsprobleme zu vermeiden.

Außerdem hast du zuletzt an einer VDI-Studie mitgewirkt, in deren Rahmen Szenarien für den Einsatz von KI in der Produktentwicklung entworfen wurden.

Produktentwicklung braucht Zeit. Bis die richtige Entscheidung gefunden ist, bis Werkzeuge gebaut sind, bis die Fertigung aufgebaut ist und ein verkaufsfähiges Produkt entsteht. Das gilt für physische Produkte ebenso wie für Software oder Services. Ein Produkt braucht einfach Zeit. Heute muss man diese Zeitdauer kritisch sehen, weil sich die technische Entwicklung so beschleunigt hat. Welche Technologie wird in fünf Jahren so reif sein, dass ich sie einsetzen kann? Was wird in fünf Jahren erfolgreich sein, weil sich die Bedingungen geändert haben? Wenn ich heute etwas Neues nach dem Stand der Technik entwickle und mein Produkt in fünf Jahren dann auf den Markt kommt, besteht eine sehr hohe Chance, dass es dann gar nicht mehr gebraucht wird. Dass es überholt ist. Beim VDI war die Idee, ein Zukunftsszenario zu bauen, das Hinweise darauf liefert, wie KI und die Digitalisierung auf die VDI -Richtlinien zur Produktentwicklung einwirken. Eines ist klar zu sehen: Die Auswirkungen darauf, wie künftig in der Industrie Produkte entwickelt werden, sind drastisch. Es wird keine Anpassungsphase so wie früher mehr geben.

Wie sieht denn in fünf Jahren deiner Meinung nach eine Küche aus?

Das ist relativ simpel. Fünf Jahre sind bei den Technologien viel Zeit – aber im Leben der Menschen kein großer Sprung.

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