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INSIDER der Woche

Sebastian Kiefer über Renner im Netz

13. November 2025, 19:52

Sebastian Kiefer, 43, Inhaber und Geschäftsführer von KüchenAtlas und seit Kurzem auch von Design Meets Home, weiß, welche Produkte zurzeit im Netz gefragt sind und welche Bedeutung KI-Modelle bereits heute als Empfehlungsmaschine haben.

INSIDE: Mit Design Meets Home habt ihr euren Radius aus dem Küchensegment in den Möbelbereich erweitert. Mit welchen Überlegungen seid ihr diesen Schritt gegangen?

Sebastian Kiefer: Zum einen wegen der Synergien. Wir können die bestehende Technik und das Modell sehr gut integrieren. Zum anderen wegen der Zielgruppe, die der von KüchenAtlas ähnlich ist, aber nicht identisch. Design Meets Home ist klar auf Premium ausgerichtet – und diese Positionierung wollen wir auch beibehalten.

Ihr baut nun peu à peu euren Datenschatz auch mit Möbeln weiter auf. Welche Produkte laufen besonders gut?

Ein Dauerbrenner sind Produkte von USM Haller, ebenso Klassiker von Vitra, Walter Knoll, Cor oder Cassina. Am besten funktionieren zeitlose Designs. Kunden suchen im Premiumsegment oft gezielt nach Marken und Produktbezeichnungen, sonst eher nach Kategorien oder Eigenschaften. Modularität spielt eine Rolle, ist aber kein eigenes Suchkriterium – sie steckt oft schon in den Produkten selbst.

Sind auch Hersteller auf der Plattform aktiv?

Ja, das kommt vor. Wir sind in weiteren Gesprächen. Einige Hersteller nutzen DMH, um Ware aus Hausausstellungen oder B-Ware gezielt abzusetzen – etwa Kettnaker. Andere nutzen das Modell, um Flächen im Handel für Neuplatzierungen frei zu bekommen. Hersteller und Händler profitieren gleichermaßen.

Und wie schaut aktuell die Nachfrage im Küchenbereich aus? Ihr habt da Daten von über sechs Millionen Usern.

Hier bleibt das Bild stabil. Moderne Küchen und grifflose Fronten führen weiter das Ranking an. Auch die Kücheninsel wünschen sich nach wie vor viele Endkunden. Interessant ist die Outdoor-Küche – sie wächst stetig, ist aber natürlich noch eine Nische.

Abverkauf ist aktuell ein wichtiges Thema. Viele Händler bekommen ihre Ausstellungsware nicht los.

Es gibt viele Möbel- und Küchenhändler im Land. Der eine macht es so, der andere so. Wer seine Ausstellung aktuell hält und ein klares Konzept hat, steht derzeit deutlich besser da, das bekommen wir gespiegelt. Der überregionale Abverkauf hilft zudem, die Ausstellung frisch zu halten, ohne Marge zu zerstören. Er spricht schlicht eine andere Zielgruppe an. Und da kommen Abverkaufsplattformen ins Spiel.

Haben sich die Preislagen auch beim Abverkauf verändert?

Die Kunden haben ihre Preisvorstellungen angepasst. Inflation und höhere Materialkosten sind im Budget eingepreist.

Woran kannst du das erkennen?

Das sehen wir in unseren Daten. Und wir beobachten nahezu identische Durchschnittswerte bei Abverkauf und Neuware. Das Motiv ist nicht „billiger kaufen“, sondern „mehr Gegenwert fürs Geld“ – selbst in der wohlhabenden Zielgruppe.

Wie erreicht ihr diese Kunden online? Über welche Kanäle kommt euer Traffic?

Search bleibt ganz klar der wichtigste Kanal, allen voran Google. Social Media spielt eine Rolle, aber mit Abstand dahinter. Spannend ist der wachsende Anteil von KI-Traffic – also Nutzer, die über Systeme wie ChatGPT kommen. Das sind derzeit nur 1,5 Prozent, aber die Qualität ist extrem hoch. Und auch bei wenig weitergeleitetem Traffic auf unsere Seite können wir stark profitieren.

Inwiefern?

Diese Nutzer springen kaum ab. Sie wissen genau, was sie suchen. Spannend ist, dass Sprachmodelle wie ChatGPT zur stillen Empfehlungsmaschinen geworden sind. User vertrauen ihnen sehr. In Hunderten Antworten pro weiterführendem Klick tauchen unsere Inhalte auf, selbst ohne direkten Besuch. Sichtbarkeit entsteht heute nicht nur über Suchmaschinen, sondern immer stärker über KI-generierte Antworten – oft der erste Impuls für eine spätere Kaufentscheidung.

Was bedeutet das für den Handel?

Händler sollten ihre digitale Präsenz breiter aufstellen. Viele konzentrieren sich auf Google-Bewertungen – das ist gut, reicht aber künftig nicht mehr. Gerade KI-Systeme beziehen Informationen auch aus anderen Quellen. Entscheidend sind detaillierte Bewertungen, etwa zu Montage, Lieferung oder Geräten. Solche Inhalte sind für Sprachmodelle besser lesbar – und sorgen für Sichtbarkeit auf einer neuen Ebene.

Früher haben Firmen viel Geld ausgegeben, um SEO-Texte erstellen zu lassen.

2025 – und künftig noch stärker – funktioniert kein austauschbarer SEO-Text mehr. Es braucht echte Geschichten, wie sie ein Inhaber auch im Gespräch erzählen würde: glaubwürdig, authentisch, nah an der Realität.

Zum Schluss ein Blick nach vorn: Wie blickst du auf den Markt?

Wir sehen wieder steigende Suchfrequenzen und Anfragen. Ich bin verhalten optimistisch. 

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