15. Mai 2021, 19:34
Die Bundesnotbremse wird, wenn alles gut geht, in den nächsten Wochen im Einzelhandel immer weniger radikal greifen. Der Kampf ums Material könnte somit nochmal härter werden. Er ist nur jetzt schon kaum zu gewinnen. Selbst wenn ein Hersteller es schafft, die Vorprodukte in ausreichender Menge zu beschaffen, muss er deutlich höhere Preise anlegen. Gerade Lieferanten aus dem untersten Preissegment haben momentan wieder echte Probleme, dem Handel ihrerseits die Notwendigkeit von Preisanhebungen zu vermitteln.
„Der Umsatz macht einfach keinen Sinn mehr.“ So krass wie das ein Zerlegtmöbelbauer in dieser Woche formulierte, trifft es hoffentlich nicht die gesamte Branche. Wie hoch der Druck ist, sieht man allerdings auch daran, dass selbst große Player aus der Küchenmöbelindustrie, die Preisanpassungen aus verschiedenen Gründen üblicherweise nur jährlich vornehmen, über unterjährige Erhöhungen diskutieren. Im Handel gibt es dafür durchaus Verständnis, immer mal wieder zumindest. Sehr oft aber auch nicht.
Die Lage an der Front zwischen Industrie und Handel hat am Freitag nun sogar VDM und BVDM zu einem gemeinsamen Statement genötigt. Headline: „Materialengpässe: Möbelindustrie und Möbelhandel rufen zu fairem Umgang auf.“ Informationen zu Materialknappheiten und daraus resultierenden Lieferzeitenveränderungen sollten frühzeitig und offen kommuniziert werden, so VDM-Präsident Elmar Duffner und BVDM-Präsidiumsmitglied Markus Meyer. Und weiter: „Von Handelsseite sollten etwaige Verzögerungen nicht zum Anlass für Sanktionen genommen werden. Nur gemeinsam werden wir diesen Herausforderungen gerecht werden und sie zum Wohle der Verbraucherinnen und Verbraucher managen können.“ Meyer ist im Hauptjob mit seiner kleinen EMV-Kette Citypolster Polstermöbel-Fachhändler.
Die deutsche Küchen- und Möbelindustrie sieht sich derzeit bekanntermaßen extremen Engpässen bei Holzwerkstoffen, Polstermaterialien, Metallteilen und Kunststoffartikeln gegenüber. Auch bei Verpackungsmaterialien und Transportdienstleistungen wird es zunehmend enger. In einer aktuellen Umfrage der Möbelindustrieverbände berichten 70 Prozent der Mitgliedsunternehmen von „produktionsbehindernden Knappheiten“. Damit verbunden ist immer auch eine Verteuerung der Zulieferprodukte. Die Beschaffungskosten bei Spanplatten sind in den vergangenen sechs Monaten demnach um durchschnittlich rund 30 Prozent gestiegen.