20. September 2022, 18:57
Küchen mal komplett anders denken, es geht. Holzrausch macht es mit J.Gast vor. Mit der Eröffnung eines 900 qm großen Studios im Münchner Glockenbachviertel rückt das Konzept jetzt auch deutlich stärker in den Fokus der Öffentlichkeit.
Jeder Boom hat auch seine Kehrseite. Erfolgsverwöhnt schaut man mit einer gewissen Selbstzufriedenheit auf die steigenden Zahlen, fühlt sich in seinem Weg bestätigt und denkt gar nicht daran, Dinge zu verbessern, das eigene Business infrage zu stellen oder gar Neues zu erfinden. Dieses bekannte Erfolgsproblem, es könnte auch in der wachstumsverwöhnten Küchenhersteller-Szene Effekte haben. Zumindest waren grundsätzlich neue Arten der Küchenkonstruktion in den vergangenen Jahren eher selten zu finden. Aber es gibt Ausnahmen.
Holzrausch mit seiner Küchenmarke J.Gast ist so eine. Bislang flog das bayrische Unternehmen weit unterhalb des Radars, auch wenn der eine oder andere in der Branche schon die Ohren gespitzt hat, wenn von Tobias Petri und Sven Petzold die Rede war. Die zwei Holzrausch-Inhaber haben sich vor rund vier Jahren ein Patent für eine Systemküche gesichert, deren Konzept aus vielen Freitagnachmittagsgesprächen mit den Produktdesignern Jan Heinzelmann, Ana Relvão und Gerhardt Kellermann entstanden ist. Aus den Vornamen des Quintetts setzt sich denn auch der Name der Marke zusammen. Rund fünf Jahre wurde an J-Gast getüftelt. Das Ergebnis: eine Küche, deren Basis ein gestecktes Rahmensystem bildet. Damit wird der Anteil der Bauteile um rund die Hälfte reduziert, was das System nicht nur deutlich effizienter im Bezug auf Fertigung, Lieferung und Montage im Gegensatz zum herkömmlichen Küchen-Möbelbau macht, sondern nebenbei noch Ressourcen schont.
Bald wird für J.Gast auch eine eigene Gesellschaft gegründet. Es wäre die dritte für das Petri-Petzold-Duo, nach der ursprünglichen Holzrausch GmbH für die Ausführung und der Holzrausch Planung GmbH für die Innenarchitektur. Noch läuft das Geschäft ganz ohne fremde Investoren, auch wenn immer wieder Interessenten anklopfen.
Jetzt haben die Macher von J.Gast einen wichtigen, großen Schritt nach vorne gemacht. Seit September sind die Türen zum neuen Studio in der Münchner Blumenstraße 17 geöffnet. 900 qm groß, auf zwei Stockwerke aufgeteilt, dank großer Fensterfront gut von der stark befahrenen Straße einsehbar, zählen die Räumlichkeiten zu den Top-Flächen in der Isarmetropole. Vorher hatte hier Tesla seinen Store und davor Das Magazin, ein Geschäft für Hochwertmöbel und Accessoires. Andere Optionen vorhanden und nach einigen Jahren der Suche war die Entscheidung gefallen, den nächsten Schritt zu tun und im alten Holzrausch-Barrio eine neue Idee entstehen zu lassen. Ein offizielles Opening für das Studio in der Blumenstraße soll – nach einigen Feinjustierungen bei der Raumgestaltung – noch folgen, möglicherweise auch erst Anfang des kommenden Jahres. Der Studio ist eben auch ein Holzrausch-Projekt, das erst fertig ist, wenn jedes Detail passt: Vom offenfugigen Boden aus Muschelkalk mit Kratzschliff bis zum Lichtobjekt eines befreunden Glaskünstlers. „Wir sind hier selber unsere Kunden, und wenn wir es selber machen, dann wird`s kompliziert“, sagt Sven Petzold. „Alles, was man hier sieht, ist Holzrausch – eine Idee, wie wir Raum gestalten würden.“