Umsätze der deutschen Küchenhersteller 2019

Das Jahr nach den fetten Jahren

Auch 2019 sind in der deutschen Küchenmöbelindustrie die Großen nochmal größer geworden. Aber nicht im selben Tempo wie in den von den Ausläufern der Alno-Pleite geprägten Vorjahren.

Die Zeit der zweistelligen Wachstumsraten unter den Top 10 der deutschen Küchenmöbelindustrie ist vorbei. Das stärkste Plus legte im vergangenen Jahr mit 9,9 Prozent der mittelfränkische Küchenbauer Schüller vor.

Dass sich das Wachstum der Großen abgeschwächt hat, liegt zum einen an der Marktentwicklung 2019. Zum anderen hatten einige Hersteller aufgrund begrenzter Kapazitäten kaum noch Luft nach oben. Der Umsatz der deutschen Küchenmöbelhersteller stieg 2019 laut amtlicher Statistik um 2,8 Prozent auf 5,013 Mrd Euro. Im Inland betrug der Zuwachs lediglich noch 0,5 Prozent, im Ausland waren es +6,2 Prozent. Die Exportquote erreichte 41,8 Prozent.

Während die im Vergleich zu anderen Sparten der Möbelindustrie hohe Exportquote in normalen Jahren allen Anlass zur Freude bietet, wird die internationale Ausrichtung im Corona-Jahr 2020 ziemlich sicher dazu beitragen, dass Hersteller mit hohem Exportanteil unterdurchschnittlich abschneiden. So gut wie der deutsche Inlandsmarkt steuert aktuell nämlich kaum einer durch die Krise.

Die mittlerweile sechste INSIDE Küchen-Hitliste soll das aber nicht beeinträchtigen, denn die bezieht sich auf den Gesamtjahresumsatz 2019. Die Bedingungen sind unverändert: Wir nehmen für uns in Anspruch, das einzige Küchenmöbel-Ranking zu erstellen, das nicht Äpfel mit Birnen vergleicht, sondern nur Obst einer Sorte. Sprich: Wir berücksichtigen auch bei Unternehmen, die ungeschmälerte Umsätze melden, die Umsätze nach Erlösschmälerungen. In der Reihenfolge des Rankings gab es dieses Mal keine Veränderungen.

 

Die INSIDE-Hitliste

1 Nobilia (inkl. Pino): Nochmal eine Schippe drauf

Nochmal eine Schippe drauf hieß es 2019 beim Marktführer. Nobilia (ohne Pino und die Handelsbeteiligungen im Ausland) brachte es auf 1,288 Mrd Euro Umsatz, das waren 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Inland, das 646,7 Mio Euro zum Umsatz beitrug, fiel das Wachstum 2019 mit +0,7 Prozent schwächer aus als im Ausland, wo der Umsatz um 9,5 Prozent auf 641,1 Mio Euro zulegte. Die Unternehmensgruppe Nobilia, die auch die ausländischen Handelsaktivitäten (konsolidiert und quotenbereinigt) beinhaltet, steigerte ihren Umsatz 2019 um 5,1 Prozent auf 1,448 Mrd Euro. Die Beteiligung Pino kam auf etwa 80 Mio Euro Verkaufsumsatz – netto um die 60 Mio. Macht dann zusammen mit dem Nobilia-Industrieumsatz 1,348 Mrd Euro. Neue Produktgruppen wie Bad und Wohnen haben 2019 noch einen Mini-Anteil ausgemacht, legen aber stetig zu, ebenso das u.a. für online geeignete Schnelllieferprogramm Nobilia Elements, das durch die Corona-Krise ein wenig schneller aus seiner Nische herausgeholt wurde als vorgesehen. Während viele Auslandsmärkte in diesem Frühjahr wochenlang komplett stillstanden, konnte im deutschen Handel zu einem großen Teil weiter ausgeliefert werden. Vor allem der Mittelstand machte weiter. Nobilia hatte sich mit Zulieferprodukten aus Italien bevorratet und durchgehend kurze Lieferzeiten. Ergo planten viele Mittelständler auf Nobilia um und verzeichneten mitten im Lockdown hohe Pluszahlen mit Nobilia als Lieferanten. Die Zahlen für 2020 wird es wie gehabt erst im Februar nächsten Jahres geben. Es ist aber wahrscheinlich, dass der Anteil des deutschen Markts am Gesamtumsatz im Gegensatz zu den Vorjahren ansteigen wird. Und dass Nobilia im deutschen Handel ein paar Freunde zusätzlich gewonnen hat. Auch die bereits frühzeitige Ankündigung den Verbänden gegenüber, die Preise bei gleichbleibendem Umsatz ebenfalls stabil zu halten, dürfte ihren Teil dazu beitragen. Nobilias Werk 5 in Saarlouis nahe der französischen Grenze, wo in der Spitze 1.000 Leute beschäftigt werden können, soll mit der Produktion am Jahresende loslegen. Die Ostwestfalen wollen von dort aus unter anderem ihren größten Auslandsmarkt Frankreich bedienen.

2 Schüller (inkl. Impuls/Puris): Dickes Plus

Schüller konnte beim Umsatz 2019 nochmal 9,9 Prozent drauflegen. Unbestritten gehört das Unternehmen damit zu den Gewinnern im Markt. Vor Erlösschmälerungen nahm der Umsatz auf 554 Mio Euro zu, besonders im Export (+16,3 Prozent auf 143 Mio Euro), in dem Schüller seit jeher Nachholbedarf hat, aber auch im Inland (+8 Prozent). Überproportional wuchs die Premiumschiene Next125. Das starke Wachstum erfordert auch in Herrieden eine Produktionserweiterung. Im Herbst nächsten Jahres sollen dort neue Maschinen anlaufen. Nach Erlösschmälerungen brachte es Schüller nach INSIDE- Berechnung auf gut 470 Mio Euro Umsatz. Zählt man Impuls Küchen und den Badmöbelbauer Puris dazu, an denen die Schüller-Gesellschafter ebenfalls beteiligt sind, kommen nochmal knapp 200 Mio Euro drauf. Impuls Küchen hat im Kalenderjahr 2019 ungeschmälerte 170 Mio Euro Umsatz erwirtschaftet. Nach kaum zu fassenden Wachstumsraten in den Vorjahren – Folgen der Wellmann- und Pino-Insolvenzen 2017 – hat sich die Entwicklung in Brilon 2019 planmäßig abgeflacht. Da Impuls Küchen aus der Zeit der Alno-Inhaberschaft, wie man aus früheren Jahresberichten herauslesen kann, einen amtlichen Konditionenberg mit sich herumträgt, kommen nach Erlösschmälerungen von über 30 Prozent etwa 120 Mio Euro heraus.

3 Häcker: „Hart umkämpft"

Auch Häcker Küchen gehört zu den Unternehmen, die ihre Umsätze vor Erlösschmälerungen melden. Da heißt es also rechnen. Den nachträglichen Veröffentlichungen im Bundesanzeiger zufolge lagen wir mit unseren Schätzungen für die Umsätze nach Erlösschmälerungen in den vergangenen recht dicht dran. 2019 dürfte der Häcker-Umsatz nach INSIDE-Schätzung abzüglich Boni etc. die 500-Mio-Euro-Marke knapp überschritten haben. Vor Erlösschmälerungen geben sie in Rödinghausen „in einem hart umkämpften Markt“ (Zitat Häcker) und bei knapper werdenden Kapazitäten ein Plus von 2,3 Prozent auf 616 Mio Euro an bei einem konstanten Exportanteil von 39 Prozent. Die Sache mit den knapper werdenden Kapazitäten soll sich in diesem Herbst erledigen, wenn das neue Werk in Venne bei Osnabrück anläuft. Hier will Häcker in Zukunft die Hochwertschiene Systemat produzieren.

4 Nolte-Gruppe: Familienzuwachs

Die Küchensparte der Germersheimer Nolte-Gruppe, die in Kürze von den Schlafmöbelaktivitäten losgelöst sein wird, ist 2019 nach eigenen Angaben doppelt so stark gewachsen wie der Markt. 2,7 Mio Schränke wurden an den Standorten Löhne und Melle produziert. Auf Nolte Küchen entfielen davon 1,7 Mio. Express sprengte erstmals die Zahl von 1 Mio Schränken. Der Umsatz erhöhte sich bei Nolte Küchen um knapp 6 Prozent, bei Express Küchen um 8 Prozent. Zusammen dürften die beiden Unternehmen auf rund 460 Mio Euro gekommen sein, das wären etwa 350 Mio Euro bei Nolte Küchen und 110 Mio bei Express – nach Erlösschmälerungen. Eine jüngere Schwester haben die Nolte-Firmen kürzlich mit der Badmöbel-Vertriebsgesellschaft Nolte Spa GmbH bekommen, die in Löhne produzieren lässt. Nolte Spa soll in den nächsten fünf Jahren einen Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich beisteuern.

5 Baumann: Leichter Anstieg

Die Baumann-Gruppe mit ihren Marken Bauformat und Burger hat das Geschäftsjahr 2019/2020 (31. März) erneut mit einem Plus abgeschlossen. Der Umsatz vor Erlösschmälerungen stieg auf 254,5 (Vorjahr: 247) Mio Euro, das war eine Steigerung um etwa 3 Prozent. Vom Umsatz entfielen 63 (64) Mio Euro auf Bauformat, 183,5 (175) Mio Euro auf Burger und 8 (8) Mio auf die Badmöbelsparte Badea. – Reiner Zufall, aber die Zahlen fürs Kalenderjahr 2019 fallen genauso hoch aus. Für das Kalenderjahr 2020 rechnet Vertriebsgeschäftsführer Matthias Berens mit einem leichten Plus. Der Umsatz der Baumann-Gruppe nach Erlösschmälerungen dürfte 2019 bei etwa 215 Mio Euro gelegen haben. Dass die Gruppe ab diesem Jahr auf einen zweijährigen Produktentwicklungszyklus umsteigt, ist bekannt, auch dass es 2020 keine Hausmesse geben wird. Allerdings hat Badea zum 1.4. eine neue Kollektion auf den Markt gebracht, und bei den INSIDE Seller-Days sind die Löhner auch zu finden. Investiert wird heuer an beiden Standorten in neue Maschinen und auch in die Schulungsabteilung („Baumann Academy“). Dort sollen mehr Schulungsinhalte für ausländische Kunden angeboten und das Thema Online-Seminare stärker ausgebaut werden.

6 Leicht Küchen: Seitwärts

Bei der Leicht Küchen AG in Waldstetten wurde es zuletzt nach mehreren Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten kapazitätsmäßig eng. Das hat nicht nur den Bau eines komplett neuen Montagewerks erforderlich gemacht, sondern auch das Umsatzwachstum im letzten Jahr behindert. Wie im Vorjahr hat Leicht 2019 einen Umsatz von netto 148 Mio Euro erreicht. Dasselbe Niveau war auch noch für 2020 vorgesehen, bis im kommenden Jahr dann von den erweiterten Kapazitäten profitiert werden kann, doch dann schlug bei der stark exportorientierten Marke die Corona-Krise zu. „Für 2020 planen wir aktuell mit einem Rückgang von etwa 9 Prozent. Das sehen wir aber dann eben am Ende des Jahres genauer“, sagt Leicht-Vorstand Stefan Waldenmaier. Schaut nach einem glimpflichen Ausgang aus bislang. Mit der ersten Ausbaustufe des neuen Werks in Gügling/Schwäbisch Gmünd kann Leicht seine Kapazitäten um etwa 30 Prozent steigern. Der Produktionsstart in Gügling ist für Ende September geplant.

7 Bulthaup: Fast gehalten

Das zweite Jahr in Folge machte sich bei der Edelküchenschmiede Bulthaup die Lage in China im Umsatz bemerkbar. Wie schon im Vorjahr kam es 2019 aufgrund der politischen Lage zu Projektverzögerungen. Positiv entwickelte sich dagegen das Projektgeschäft in den USA und der deutsche Heimatmarkt. „Ausgenommen von UK, wo das Geschäft noch immer unter den Folgen des Brexit leidet, verzeichneten wir in unseren europäischen Kernmärkten in 2019 ein stabiles Geschäft“, heißt es aus dem Unternehmen. Bulthaup erzielte 2019 einen fakturierten Umsatz von 122,9 (Vorjahr: 125,4) Mio Euro und lag damit um 2 Prozent unter Vorjahr. Nach Erlösschmälerungen blieb der Umsatz mit 117,5 Mio Euro nahezu konstant. Sein Ergebnis vor Steuern konnte das Unternehmen aus dem bayrischen Aich leicht auf 13,6 (13,1) Mio Euro ausbauen. Zur Lage in diesem Jahr: „Das erste Halbjahr 2020 war wie bei vielen anderen Unternehmen auch von der Covid-19-Pandemie beeinflusst. Unsere Absatzmärkte waren von den Lockdown-Phasen je nach Dauer der lokalen Vorschriften unterschiedlich stark betroffen. Die Bulthaup-Partner nutzten diese Phasen, um bestehende Aufträge abzuarbeiten. Seit Beginn der Geschäftsöffnungen beobachten wir in Europa eine durchaus erhöhte Kundenfrequenz und steigende Nachfrage – trotz der geltenden Hygiene-Vorschriften. In Asien läuft das Projektgeschäft durch die Covid-19-bedingten Einschränkungen auf den Baustellen nur langsam wieder an. In den USA haben wir nach wie vor ein kompliziertes Marktumfeld, da neben Covid-19-Lockdowns auch Unruhen in einigen Städten hinzukommen. An unserem Produktionsstandort in Aich konnten wir während der gesamten kritischen Covid-19-Phase unsere Produktion reibungslos aufrechterhalten. So waren wir sowohl für unsere Kunden als auch für unsere Handelspartner ein sicherer und stabiler Partner in der Krise.“

8 Ballerina: Bald dreistellig

Ballerina Küchen hat 2019 nach Erlösschmälerungen einen Umsatz von 97,2 Mio Euro erreicht, das war ein Plus von etwa 5 Prozent. Zu den 100 Mio fehlt nicht mehr viel. Auf dem achten Platz unserer INSIDE Küchen-Hitliste hat Ballerina sich mittlerweile gut etabliert. Geplant ist mittelfristig ein weiterhin gleichmäßiges Wachstum von 4 bis 6 Prozent im Jahr. Investiert haben sie in Rödinghausen zuletzt in die Losgröße- 1-Fertigung und eine Produktionslinie zum Fertigen von Sonderausführungen für Hänge- und Unterschränke. Als Nächstes ist eine weitere Unterschranklinie geplant.

9 Rotpunkt: Besonders im Inland

Eine kleine oder größere Delle müssen für 2020 im Zusammenhang mit Corona wohl die meisten Küchenmöbelbauer einplanen. Laut dem Ausblick in seiner im Bundesanzeiger veröffentlichten 2019er-Bilanz rechnete auch Rotpunkt heuer eigentlich nicht damit, die ursprünglich geplanten 2 Prozent Umsatzplus erreichen zu können. Eigentlich. Bereits ab 2021 soll es aber wieder stabil zugehen. 2019 konnte der Küchenbauer aus Bünde, der ebenfalls an Erweiterungsplänen strickt, seinen Umsatz um fast 3 Prozent auf 67,8 Mio Euro nach Erlösschmälerungen und den Jahresüberschuss auf 2 (1,7) Mio ausbauen. Besonders stark wuchs Rotpunkt 2019 im Inland mit einem Plus von 13,9 Prozent. Das Umsatzwachstum in den Auslandsmärkten kam aus den Ländern Frankreich (+126,8 Prozent), Belgien (+11,6 Prozent) und Norwegen (+118,9 Prozent), während Großbritannien im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang (-12,5 Prozent) verbuchen musste. Für das kommende Jahr steht der Umstieg auf Ökostrom an. Und bekanntlich auch der Bau einer neuen Werkshalle am Standort Bünde, die den Produktionsablauf entzerren und Platz für neue Maschinen schaffen soll. Ende 2021 soll die neue Halle nach Möglichkeit in Betrieb gehen. Weitere kleinere Grundstücke in der Nachbarschaft wurden bereits gekauft.

10 Pronorm: Weniger Menge, mehr Wert

Bereits zum zweiten Mal ist die der Mandemakers- Gruppe gehörende Pronorm Einbauküchen GmbH unter den Top 10 in Deutschland. 2019 hat Pronorm seinen Umsatz nochmal ziemlich genau um 2 Prozent auf 59 Mio Euro verbessert. Das lag allerdings nicht an höheren Schrankzahlen, sondern – was will man als Küchenbauer mehr – daran, dass sich der Durchschnittswert der verkauften Schranktypen gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht hat. Sein Ergebnis nach Steuern hat Pronorm laut Bundesanzeiger letztes Jahr auf 1,2 Mio Euro fast verdoppelt. Für dieses Jahr ist trotz Corona ein Mengen- und Umsatzplus im mittleren einstelligen Bereich geplant.

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