Möbelindustrie

Stabile Prognose

23. August 2021, 11:28
VDM-Geschäftsführer Jan Kurth

33 Prozent Exportquote, Beschaffungsstress, stabile Prognose, Import-Anführer China: Ein weiteres Ausnahmejahr - auf der heutigen Wirtschaftspressekonferenz in Köln hat Jan Kurth, Hauptgeschäftsführer beim Verband der Deutschen Möbelindustrie VDM , die Lage der Branche eingeordnet - keine leichte Aufgabe in Anbetracht der schwierigen Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr. Schließlich waren sowohl 2020 als auch der bisherige Verlauf von 2021 von Lockdowns geprägt, aber in völlig unterschiedlichen Zeiträumen. Dann waren da noch der Möbel-Boom im letzten Sommer und seither die krassen Beschaffungsprobleme und Preissteigerungen. Alles in allem sieht Kurth auch heuer einen Nachholbedarf in Sachen Wohnen und Einrichten - wenn auch nicht so hoch wie im vergangenen Jahr.

Für den Herbst geht Kurth auch im Inland von einer spürbaren Belebung aus. Kurth: „Nach der Urlaubssaison wird das Thema Wohnen unserer Überzeugung nach wieder verstärkt in den Fokus rücken. Die Ausgabebereitschaft für Möbel steigt: Wie eine von uns in Auftrag gegebene Studie der Unternehmensberatung Titze ergeben hat, erhöhten sich die durchschnittlichen Möbel-Ausgaben je Haushalt im vergangenen Jahr auf 760 Euro (Vorjahr: 725 Euro). Positive Impulse kommen zudem vom Möbel-Onlinehandel, der in der Corona-Krise einen Schub erfahren hat und dessen Anteil wir mittlerweile auf mindestens 20 Prozent schätzen.“

Das erste Halbjahr, das 2020 noch mies ausgefallen war, konnte in diesem Jahr mit 4,3 Prozent Umsatzplus bzw. 8,4 Mrd Euro Umsatz abgeschlossen werden. Vor allem das Auslandsgeschäft trug dazu bei, weil dort die Geschäfte teilweise früher wieder öffnen durften. So gab es bei den Exporten ein Plus von 10,6 Prozent, im Inlandsgeschäft nur von 1,5 Prozent.

 

Besonders stark zogen mit +46 Prozent die Lieferungen in den wichtigsten Exportmarkt Frankreich an. Auch die Schweiz (+16 Prozent), Österreich (+25,5 Prozent) und die Niederlande (+15,6 Prozent) waren gut dabei. „Der britische Markt erlebte nach der Unterzeichnung des Handelsabkommens mit der EU im ersten Halbjahr 2021 ein Comeback mit einem beachtlichen Plus von 25 Prozent. In fast allen anderen europäischen Exportmärkten wie Belgien, Italien, Spanien, Polen, Schweden und Dänemark wurden ebenfalls deutliche Anstiege verzeichnet“, so Kurth. „Besonders erfreulich war aus Branchensicht, dass der weltweit größte chinesische Möbelmarkt nach der Überwindung der Folgen der Corona-Krise wieder die Rolle des Konjunkturmotors in Asien übernahm – die deutschen Möbelexporte nach China kletterten im ersten Halbjahr 2021 um 13 Prozent. Während das Wachstum in Russland mit plus 7 Prozent ebenfalls ordentlich ausfiel, wurden die Exporte in die USA angesichts der für Europäer nach wie vor geschlossenen Grenzen etwas stärker in Mitleidenschaft gezogen.“

Sinnvoller als der Umsatzvergleich mit den ersten sechs Monaten 2020 ist sicher ein Vergleich mit Januar bis Juni 2019 - gegenüber 2019 lag die Branche im ersten Halbjahr um 6,3 Prozent im Minus, hat man in Bad Honnef errechnet. Auch hilft ein Blick auf die unterschiedlichen Teilbranchen bei der Einordnung: Die Küchenindustrie hat sich im Vorjahresvergleich mit +16,3 Prozent auf 2,8 Mrd Euro erneut positiv abgesetzt, ebenso die Polstermöbelindustrie mit +17,5 Prozent auf 500 Mio Euro, was hauptsächlich auf Auftragsüberhänge aus dem Vorjahr zurückzuführen sein dürfte. Weniger gut verlief das erste Halbjahr 2021 dagegen im Segment Sonstige Möbel (-5,8 Prozent, 2,8 Mrd Euro), zu denen unter anderem Kastenmöbel zählen. Einen leichten Rückgang von 0,3 Prozent auf 960 Mio Euro mussten auch die Büromöbelbauer hinnehmen, die Laden- und sonstigen Objektmöbler erzielten ein Plus von 4,4 Prozent auf 867 Mio Euro.

Deutlich stärker als der Umsatz der heimischen Hersteller erhöhten sich im ersten Halbjahr übrigens die Importe, die 2020 nur leicht gestiegen waren. Von Januar bis Juni 2021 legten die Möbeleinfuhren nach Deutschland um amtliche 23 Prozent auf 4,9 Mrd Euro zu, vor allem die aus China (+45 Prozent, 1,5 Mrd Euro). Fast jedes Dritte nach Deutschland importierte Möbel kommt nun aus China. Polen, das nur um 9 Prozent zulegte, steht für 27 Prozent der Importe. Die Importe aus dem drittplatzierten Italien legten um 13 Prozent zu.

Sorgenfalten machen die Auswirkungen der Materialknappheit. Die Planung von Kapazitäten wird erheblich erschwert, tageweise stand bei Unternehmen die Produktion still, die Kalkulationsbasis verändert sich massiv infolge der Verteuerung der Vorprodukte, Lieferzeiten werden länger und: weitere Preisanhebungen nötig.

 

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