Gastbeitrag Digitalisierung: Carat

Carat

"Von Wandel und Werten"

17. Mai 2022, 9:17
Andreas Joost, Andreas Günther

Können Sie sich eigentlich noch an das Ende der 1980er Jahre erinnern? An eine Zeit, in der kaum ein Haushalt einen Computer, geschweige denn ein Mobiltelefon besaß. Eine Ära, als der Begriff Digitalisierung noch ein Fremdwort war und Bezeichnungen wie Customer Journey, E-Commerce und Online-Ads, mit denen wir heute ganz selbstverständlich um uns schmeißen, bestenfalls ein unwissendes Kopfschütteln oder gar ein weitaus weniger elegantes „Häh?“ ausgelöst hätten. An einen Zeitpunkt, als auch unser Boris Becker noch lange nicht das Internet für sich entdeckt und freudig überrascht erkannt hat: „Ich bin drin! Das ist ja einfach!“ In exakt dieser Zeit, genauer gesagt im Jahr 1989, ist unsere Küchenplanungssoftware Carat auf den Markt gekommen.

Ein Gastbeitrag von Andreas Günther und Andreas Joost

Seit Ende der 80er Jahre hat sich viel verändert. Sehr viel sogar. Natürlich nicht nur in der Welt da draußen. An unserem international tätigen Unternehmen lässt sich der stetige Wandel ebenfalls ablesen. Das ist auch gut so und absolut notwendig, um nach über 30 Jahren erfolgreich am Markt bestehen zu können. Da galt es (und gilt es auch weiterhin), veraltete, nicht mehr zeitgemäße Unternehmensstrukturen und Arbeitsabläufe bereitwillig zu überdenken und zu überwinden. Hin zu einem Arbeitsumfeld, das agile Arbeitsweisen und Projektentwicklungsmethoden fördert. Auch wenn es gerade beim ersten Mal nicht leichtfällt, sich von eingespielten Gewohnheiten zu lösen, das Ergebnis lohnt sich. Natürlich lässt sich solch ein Kulturwandel in einer Branche wie unserer, die oft noch als eher konservativ wahrgenommen wird, nicht von der Führungsspitze durchboxen. Erfolg haben wir immer nur als Team. Daher gibt es einige Dinge, die wir in all den Jahren ganz bewusst wie einen Schatz gehütet haben. Das sind Werte, die auf den ersten Blick manchem vielleicht verklärt und altmodisch erscheinen mögen: Vertrauen, Transparenz, Wertschätzung und Kollegialität. Werte im Umgang mit Mitarbeitern, aber natürlich auch mit Kunden – im Handel und in der Industrie. Jetzt, wo wir darüber nachdenken, fällt uns sofort noch etwas ein, das wir uns bewahrt haben. Ganz nach unserem Motto „Fortschritt gestalten“ haben wir uns nie Neugier und Innovationskraft nehmen lassen.

Apropos Team, hier liegt die Kraft und Stärke ganz klar in der Heterogenität: Stereotypenhaft könnte man fast sagen vom jungen Hüpfer, der als Fachkraft von morgen bei uns seine Master-Thesis verfasst, bis zum „alten“ Hasen, der immense Erfahrung und Ruhe beisteuert. Genauso breit wie bei der Altersspanne sind wir auch bei den Disziplinen innerhalb des Teams aufgestellt. Mit ganz unterschiedlichen Stärken treiben wir Projekte voran. Einer unserer immer wiederkehrenden Lieblingsmomente, der oft für Erheiterung sorgt: Wenn gute und kreative Ideen aus dem Vertrieb auf unsere Tekkies treffen, die erst mal große Augen machen und ins Schwitzen kommen, wie sich das Ganze umsetzen lässt.

Vereinfachung = Digitalisierung

Damit kommen wir nun auch schon ins Hier und Jetzt, mitten ins Tagesgeschäft. Dahin, wo wir ganz nah am Kunden sind und uns am wohlsten fühlen. Oft müssen wir erkennen, dass das, was den Kunden Bauchschmerzen oder Kopfzerbrechen (auch dafür gibt es selbstverständlich ein wunderschönes neudeutsches Wort, nämlich Pain Points) bereitet, mit analogen Prozessen zusammenhängt, die einen hohen Zeit- und damit unausweichlich auch großen Kostenaufwand bedeuten. Sobald uns also in unseren Gesprächen mit Anwendern ein solcher Schmerzpunkt über den Weg läuft, heißt es für uns zu überlegen, ob sich dieser nicht beseitigen lässt. Und da sind wir dann auch ganz schnell wieder beim Thema Digitalisierung.

Denn oftmals lässt es sich auf diese einfache Formel herunterbrechen: Vereinfachung = Digitalisierung. Beispiel gefällig? Im Austausch mit dem Küchenfachhandel drückte dort immer wieder die Steuerung und Abwicklung von Montagen. Wir haben das Gewusel live miterlebt, wenn jeder Monteur seine Mappe oder sein Klemmbrett mit den zum Montageauftrag gehörenden Dokumenten, dazu noch einen USB-Stick und vielleicht noch das ein oder andere Anhängsel ausgehändigt bekommt oder nach erledigtem Montageauftrag wieder zurückbringt. Mit diesem Zettelwust – und wenn alles glattläuft, auch mit allen richtig zugeordneten Materialien – schlagen die Monteure beim Endkunden auf. Dass es im Zeitalter der Digitalisierung kein komfortableres und deutlich weniger fehleranfälliges Vorgehen gibt, damit wollten wir uns nicht abfinden. Also flugs Anforderungen an eine hilfreiche Anwendung gemeinsam mit den Anwendern gesammelt, einen Prototypen entwickelt, diesen auf Pilotkunden losgelassen und nach ihrem Feedback optimiert. Was im Schnelldurchlauf zugegebenermaßen recht flapsig klingen mag, hat uns Caratservice beschert. Ein Produkt, das mit nur wenigen Klicks erstmals die Montagesteuerung direkt aus der Planungssoftware heraus ermöglicht. Übermittelt wird alles an die Caratservice-App des zuständigen Monteurs. Die vollständige Dokumentation der Montage erfolgt ebenfalls in der App. Am Ende steht so ein komplett digitales Abnahmeprotokoll. Ergebnis: Ungeliebte und mühselige Zettelwirtschaft ade!

Schritt für Schritt zum Ziel

Dass wir bei einer solchen Produktentwicklung nicht mit gierigen Fingerchen direkt nach den Sternen greifen dürfen, war auch eines der Dinge, die wir in den zurückliegenden Jahren lernen mussten. Wie schon Apple-Gründer Steve Jobs erkannt hat, ist es utopisch, die EINE vollkommene Anwendung zum Start an den Markt zu bringen oder darauf zu warten, bis sie es ist. Denn aller Anfang ist schwer und es ist nicht immer (oder wenn wir ehrlich sind nie) die erste Idee, die perfekt und ausgereift daherkommt. Stattdessen verfolgen wir den Ansatz des Minimum Viable Product, kurz MVP. Noch so ein Wort, das in den 1980er Jahren nur Unverständnis ausgelöst hätte. Dabei geht es darum, eine erste funktionsfähige Version auszuliefern, den Anwender damit arbeiten zu lassen und sein Feedback zu nutzen, um das Produkt zu optimieren und auszubauen. Womit wir wieder beim Thema Agilität sind. Was haben wir also gelernt? Digitalisierung bzw. digitalisierte Prozesse sind absolut unausweichlich und notwendig, wenn es darum geht, Arbeitsbereiche zu beschleunigen, zu optimieren, weniger fehleranfällig und effizienter zu machen. Und auch bei den Endkunden kommen digitalisierte Prozesse wie diese gut an.

Mehr noch: Im Zeitalter von Amazon und Co., wo Digitalisierung für einen Großteil der Bevölkerung zum Alltag gehört, man sich an vereinfachte und schnelle Abläufe gewöhnt hat, macht die Erwartungshaltung auch vor dem Fachhandel nicht halt. Ein Monteur, der mit Klemmbrett und Kugelschreiber anrückt, wirkt da schnell aus der Zeit gefallen. Einen zusätzlichen Booster hat die Digitalisierung nochmals durch Corona erfahren. Bei allem Leid und Verzicht ist uns klar geworden, welch zentrale Rolle eine stärker digitalisierte Gesellschaft in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling spielt. Wir selbst haben in dieser Phase deutlich gemerkt, dass Menschen ihre Berührungsängste gegenüber Onlineangeboten weiter abgebaut haben. Wir alle möchten und werden also keineswegs auf den Fortschritt durch Digitalisierung verzichten. Mehr noch: Getreu unseres bereits zitierten Mottos „Fortschritt gestalten“ möchten wir – wie viele andere, die ebenfalls mit all ihrer Begeisterung und Leidenschaft dabei sind – diese Entwicklungen bewusst vorantreiben. Das funktioniert immer nur dann, wenn Menschen miteinander sprechen, zusammenarbeiten und in heterogenen Teams die aktuellen und zukünftigen Probleme ausmachen, analysieren und gemeinsam lösen. Denn: Hinter jedem digitalisierten Ablauf und hinter jeder digitalisierten Anwendung stehen Menschen. Wir hätten es ohne Digitalisierung deutlich schwerer und wären deutlich weniger effizient. Ohne das menschliche Miteinander aber hätten wir es gar nicht erst so weit gebracht.

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