Solitaire: Ein Gespräch mit Annette Hollemann

Solitaire

Nachgehorcht in München

14. September 2022, 3:34

Mit dem Einstieg in eine völlig neue Gerätekategorie hat bei den IFA-Previews im Sommer die BSH überrascht. In München nimmt man in Zukunft auch den Wasserplatz ins Visier — und will keine kleinen Brötchen backen. Wir haben mit Annette Hollemann gesprochen, die den Bereich Solitaire The Waterbase mit aufgebaut hat und verantwortet, und haben dabei gelernt, warum „Spülentagebücher“ geführt werden.

Solitaire ist eine Kombination aus Armatur, Spüle und Abfallsystem mit jeder Menge technischen Finessen. Im Zoom-Gespräch Anfang August erzählt Annette Hollemann, dass sie 2006 zur BSH kam und zunächst im Kleingerätebereich tätig war. Als man sie vor einigen Jahren fragte, ob sie Interesse habe, etwas ganz Neues für die BSH mitzuentwickeln, zögerte sie nicht lange. „Ich liebe es, neue Felder zu eröffnen, zu schauen, welche Wünsche Kunden haben und dafür Lösungen zu entwickeln“, so Hollemann. Man überlegte, in welchen Bereichen der Küche die BSH bislang kein Angebot hat und eventuell eines schaffen könnte – immer im Hinterkopf, dass die BSH ihren Anspruch an Technologie einbringen wollte – und entschied sich für den Bereich Spüle.

Vor fünf Jahren etwa stiegen die Münchner in tiefere Recherchen ein. Endkunden, Architekten und Küchenfachhändler wurden interviewt, insgesamt 500 Interviews waren es und qualitative Studien in mehreren Ländern. Diese ergaben, dass die Spüle normalerweise keine positiven Assoziationen hervorruft. Besonders eingeprägt hat sich Annette Hollemann die Aussage, die Spüle sei ein „schwarzes Loch“. Man ließ „Spülentagebücher“ führen. Wie oft und wozu nutzt man die Spüle? Dabei stellte man fest: Es ist oft gar nicht mehr das Spülen, das wir dort tun, eher das Händewaschen, Getränkezapfen oder Wasserholen. „Die Tätigkeiten haben sich verändert, also müssen wir auch den Ort neu denken“, sagt Annette Hollemann. Ein zentrales Thema war auch das Wegräumen. Während mancher Proband die Spüliflasche nach jedem Gebrauch ordentlich verstaute, blieb der Lappen stets draußen. Klar: Den nassen Lappen räumt man nicht in den Schrank. Bei Solitaire kann man nasse Lappen und Schwämme sowie feuchte Handtücher in speziellen Trocknungsfächern verschwinden lassen. Der Trick: ein Ventilator, eine leichte Heizung und ein Timer.

___STEADY_PAYWALL___Auch Wasserfilter und Getränkesprudler standen bei den Befragten zumeist auf der Arbeitsplatte herum. Dieses Problem löst Solitaire über eine Multifunktionsarmatur, für die es sechs Optionen gibt. Hollemann: „Es ging uns darum, gezielt auch die Dinge, die in diesem Bereich immer wieder als störend genannt wurden, zu verbessern.“ Herzstück von Solitaire ist freilich die Spüle selbst, die dank eines „Infinity Covers“ gar nicht nach einer ausschaut. Solitaire ist aber immer benutzbar, denn das Wasser kann durch eine Rille abfließen. Und will man doch mal Geschirr abspülen, kann der Boden auch abgesenkt werden.

Positioniert ist das Produkt zum Start im Premiumsegment, einen vier- bis fünfstelligen Euro-Betrag muss der Endkunde investieren. Die Vermarktung startet im ersten Quartal 2023 gleichzeitig in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. In Deutschland fällt der Vertrieb in die Zuständigkeit des Teams um Neff-Gaggenau-Geschäftsführer Marco Tümmler. Entsprechend präsentiert sich Solitaire auch im House4Kitchen in Löhne. Für Teile der Produktion wurden Partner mit Expertise gesucht, die Elektronik wie ein intelligentes Touch Display stammt aber aus dem eigenen Haus. Das BSH-Werk in Traunreut ist in die Fertigung eingebunden. Los gehen soll es verlässlich im Herbst. Die benötigten Teile sind bereits vorhanden. Ist für Annette Hollemann das Projekt nach dem Launch abgeschlossen? Nein, sagt sie. Sie wolle das Thema groß machen. Nicht nur den ersten Schritt gehen, sondern es auch in weitere Länder ausrollen.

 

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