Made in Schwabing

Team Lutzenberger (Video)

Made in Schwabing

10. März 2022, 10:49

Vom Schreiner zum Küchenfachhändler und Gestalter ganzer Wohnungen oder Büros: Peter Lutzenberger und sein Team setzen auf Klasse statt Masse. Ein Besuch in München-Schwabing.

Es gibt kaum etwas, das Peter Lutzenberger nicht macht. Das gibt’s nicht bei ihm: eine riesige Auswahl an Elektrogeräteherstellern, Rabatt-Diskussionen oder Planun-gen zum Nulltarif. Letztere lässt er sich eh nicht aus der Hand nehmen. Ansonsten geht Lutzenberger seinem Job nach. Die Homepage verspricht: „Jedes Stück ein Meisterwerk.“

Als Lutzenberger in der fünften Klasse ist, steht der Berufswunsch fest: Schreinermeister werden. Zuhause, in der Nähe von Landsberg, hat der Vater eine Hobbywerkstatt. Da tobt sich nicht nur der Kfz-Meister aus, sondern auch dessen Sohn. Die ersten Möbel entstehen. Ein paar Jahre später, 2005, ist es dann so weit: Nach Lehre und Gesellenjahren hat Lutzenberger Junior seinen Meisterbrief in der Tasche. Da ist er 23. Und 2011 wagt er in München den Schritt in die Selbstständigkeit. „Anfangs habe ich vom Homeoffice aus gearbeitet, das war in Sendling. Und bis ich ein passendes Ladenlokal in Schwabing gefunden hatte; das war schon ein wenig Arbeit“, sagt er. Den zunächst irgendwo auf der Hohenzollernstraße angebotenen, vielleicht 2 Meter breiten „Schlauch“ für 8.000 Euro Miete, den konnte er nicht gebrauchen. Fündig wurde er dann doch noch. In der Viktoriastraße 5, Ecke Herzogstraße, hat das Team Lutzenberger, so der Firmenname, seinen Sitz und Showroom. Ausgestellt sind eine Küche – und was für eine – sowie verschiedene Lampen und Leuchtmittel und Holzplatten für das, was Lutzenberger „Stammtische“ nennt. Sowie einer dieser Stammtische, in dem Fall aus kaukasischem Nussbaum. Da ist nichts verleimt; Auswüchse mit eingeschlossener Rinde wurden mit Kunstharz ausgegossen. Das so konservierte Holz wurde mit mattem Natur-Lack überzogen. Inklusive Gestell und Mehrwertsteuer 11.280 Euro. Das ist ein Wort.Team Lutzenberger Innen 1

Gaggenau und sonst nix

Die ausgestellte Küche mit einer Natursteinplatte von Strasser und Holzelementen verfügt über mattschwarz eingehauste Geräte von Gaggenau. Da ist er kompromisslos. „Nur in Ausnahmefällen nehmen wir mal Neff. Ansonsten nur Gaggenau. Die sind langlebig im Design, es gibt eine überschaubare Modellpalette und bis dato gab es auch keine Lieferverzögerungen“, berichtet Lutzenberger. „Außerdem setzt Gaggenau sehr auf Schreinereibetriebe als Partner.“

Sicher, es habe auch schon mal Kunden gegeben, die vorher eine industriell gefertigte Premiumküche hatten. Bis dann Mängel offenbar wurden. Von einem solchen Fall berichtet er, „Als da nach vier Jahren die Kanten abgingen, blieb der Hersteller hart. Alleine der Aus- und Wiedereinbau der Geräte hätte 8.000 Euro gekostet, exklusive noch nicht bekannter Reparaturkosten. Auch die Planung der Küche war nicht zum Raum passend. Einfach eine U-Form.“ So gewann Lutzenberger einen neuen Kunden. Die Vorher-Nachher-Fotos zeigen die inzwischen schon acht Jahre alte, mit Gaggenau modernisierte Küche. So etwas erzählt er auf Nachfrage, wäh-rend er den Espresso auf den Tisch stellt. Ja, den „Stammtisch“.

Er könnte draußen so ein Schild hängen haben: Interior Designer, den Laden und sich inszenieren, an die Wand klug klingende Sprüche weltbekannter Designer oder Philosophen hängen. Da ist Lutzenberger anders gestrickt. Kommt in Arbeitskluft von der Baustelle ums Eck, da wo sie gerade 2,5 Kilometer Eiche-Massiv-Leisten als Wandlamellen verbaut haben, und sicher noch eine Zeitlang beschäftigt sein werden. Fürs Foto noch schnell ein neutrales schwarzes Sweatshirt. So passt es. „Ich plane unheimlich gerne. Und da die Küche das Herz eines Hauses ist, habe ich mich so spezialisiert“, antwortet Lutzenberger auf die Frage, warum es ihm gerade der Küchenfachhandel angetan hat. Etwa sechs bis sieben Küchen jährlich setzt er um. Natürlich nicht alleine. In Schwabing hat er einen Kollegen im Büro, ab Mai kommt ein weiterer hinzu. Gerade wird dort wieder telefoniert. Bei irgendeinem Projekt ist der Boden im Bad noch nicht fertig, hört man. Und da hier Handwerker sitzen, drehen sie deshalb nicht gleich durch oder schreien gar divenhaft „so kann ich nicht arbeiten“ ins Telefon. So ist hier keiner drauf. Man schaut, wie man wo weiterarbeiten kann und bespricht das mit den anderen Gewerken in aller Ruhe. Das ist die Zentrale in Schwabing. Hinzu kommt dann noch die eigentliche Produktion. Die ist eine Stunde außerhalb Münchens gelegen. Dort arbeiten vier Mitarbeiter, und der Cousin, ebenfalls Meister seines Fachs, leitet die eigentliche Schreinerei. Auch Lichtplanung gehört zu Lutzenbergers Job. „Licht schafft erst die richtige Atmosphäre.“ Muss man extra erwähnen, dass die Lampen von Lieferanten wie der tschechischen Glasmanufaktur Brokis oder vom deutschen Lighting-Experten Mawa stammen? Hochwert-Experte Lutzenberger beziffert die bislang teuerste ausgelieferte Küche auf gut 60.000 Euro. Wollen Kunden auch Polstermöbel, gibt es in Kooperation mit einer Polsterei in der Nachbarschaft ein entsprechendes Angebot. Sofas von Minotti oder Flexform können ebenfalls geliefert werden. Für den eigenen Showroom setzt Lutzenberger aber ausschließlich auf Eigenproduziertes – mit Ausnahme bei den Lampen und E-Geräten.

Bislang ist das Team Lutzenberger zumeist in Deutschland im Einsatz. Fragt man nach, erfährt man, dass das noch längst nicht alles ist. „Aber wir haben auch schon Möbel für eine schwedische Fähre hergestellt oder ein komplettes Haus in Brüssel gestaltet, bei dem dortige Handwerker mit von der Partie waren.“ Auch in Nordafrika wurde für ein schweizeri- sches Unternehmen ein Technologiezentrum umgesetzt. Pro Jahr werden etwa zwei bis drei B2B-Aufträge abgearbeitet. Mal waren es Kontrollräume, Pforte und Eingangshalle für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaf- fenhofen, ein IT Operations Room für die Deutsche  Börse  in Frankfurt oder verschiedene Kontrollräume bei Airbus in Ottobrunn. „Alle Aufträge gewinnen wir über die Planung, nicht über den Preis“, sagt Lutzenberger und schaut auf die Herzogstraße in Schwabing.

Team Lutzenberger Peter Lutzenberger 1

Verwandte Artikel

Frama

Küchenplanung statt Pillen

Küchenmessen (mit Video)

Endlich wieder Menschen

Bora

Outside mit... Willi Bruckbauer

Newsletter

INSIDE Wohnen Verlag GmbH
Destouchesstr. 6
80803 München

Telefon: (089) 38 35 670
Telefax: (089) 34 21 24

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Vertrieb
Projekte