Schmidt Küchen (Video)

Neuer Chef, neue Pläne

01. Februar 2022, 14:56
Wolfgang Thorwart in einer Wohnwelt von Schmidt

Als Küchenbauer, der europaweit mit einem Franchise-System unterwegs ist, ist die Groupe Schmidt näher dran an ihren Händlern als andere Hersteller. In Deutschland, wo es bislang neben den Partnerhäusern zusätzlich Multimarken-Händler gab, fokussiert sich Schmidt nun wie in anderen Märkten auf die Monomarken-Studios. Dichter dran heißt für den neuen Deutschland- Geschäftsführer Wolfgang Thorwart auch: Themen, bei denen dem Handel immer stärker der Schuh drückt, will er mit den Schmidt-Exklusivhändlern gemeinsam anpacken.

Wolfgang Thorwart hat die Geschäftsführung am deutschen Schmidt-Küchen-Standort Türkismühle zum Jahreswechsel von Jean-Claude Meyer übernommen. Da er schon seit 36 Jahren in der Unternehmensgruppe tätig ist – zuletzt war er in der Gruppenleitung für Produktentwicklung zuständig – brauchte Thorwart keine 100 Tage im Amt bis zu seinem ersten Interview in neuer Funktion. Wir haben Wolfgang Thorwart Mitte Januar zum virtuellen INSIDE-Talk getroffen.

___STEADY_PAYWALL___Seit Jahresanfang also ist Thorwart neuer Geschäftsführer der Schmidt Küchen GmbH & Co. KG im Saarland. In dieser Position hat er die Verantwortung für den deutschen Markt und gleichzeitig für das im Produktionsverbund mit den französischen Standorten arbeitende Werk Türkismühle. Als Thorwart vor 36 Jahren im Unternehmen begann, war Schmidt noch nicht die Nummer 1 in Frankreich, sondern rangierte an fünfter Stelle. „Der Größte dürfte damals Mobalpa gewesen sein“, erinnert er sich. Thorwart war in Lièpvre am Hauptsitz der deutsch-französischen Gruppe tätig. Seit September 2021 hat er seinen Arbeitsplatz im rund 250 km entfernten Türkismühle. Dort werden alle Küchen für den deutschen Markt produziert, aber auch Kommissionen für andere Märkte.

Das Werk im Saarland hat im Produktionsverbund der Schmidt Groupe zuletzt stark an Bedeutung gewonnen. Es wurde auf Zweischichtbetrieb umgestellt und damit die Kapazität gegenüber dem langjährigen Wert um 40 Prozent erhöht. 40 neue Mitarbeiter wurden eingestellt, 240 sind es nun. Korpusbauteile für Türkismühle kommen aus Frankreich, im Gegenzug liefert das Werk aber beispielsweise Langteile für die gesamte Gruppe. Europaweit sind die Küchenmärkte in den Corona-Jahren 2020 und 2021 stark gewachsen, auch in Frankreich. Die gesamte Schmidt Groupe hat 2021 ein deutlich zweistelliges Wachstum verbucht, der Jahresabschluss fürs vergangene Jahr steht noch nicht.

Zum Zeitpunkt des Interviews Mitte Januar ist Omikron in Frankreich mit Inzidenzen weit in den Tausendern schon deutlich stärker eskaliert als in Deutschland. Dennoch: Nur 60 von unternehmensweit 2.050 Mitarbeitern der Schmidt Groupe sind in Quarantäne, was Thorwart unter anderem darauf zurückführt, dass Mitarbeiter die unternehmensinternen Schutzmaßnahmen auch im privaten Umfeld beachten. „Das System darf nicht zusammenbrechen. Wenn man Losgröße 1 fertigt, ist das noch viel bedeutender als in Unternehmen, die auf Lager fertigen.“ Als 2020 für die französische Industrie ein siebenwöchiger Produktionslockdown verhängt wurde, konnte wegen fehlender Bauteile auch das deutsche Werk nicht arbeiten. Ein Großteil dieser Kerbe konnte bis zum Jahresende ausgeglichen werden: Der Produktionsumsatz der Gruppe sank 2020 in Anbetracht dieser Umstände um 6 Prozent auf 564 Mio Euro, der Außenumsatz der Händler inkl. der über die Gruppe gelieferten E-Geräte um 7 Prozent auf 1,62 Mrd Euro.

Mit Produktionsstillständen war man dann 2021 glücklicherweise nicht mehr konfrontiert, nur noch mit den Beschaffungsschwierigkeiten, mit denen auch andere zu kämpfen hatten. „Das haben wir aber erfolgreich gemeistert und die Lieferzeiten in einem vernünftigen Rahmen gehalten“, sagt Thorwart. 99,6 Prozent der Lieferungen seien vollständig. Das gilt auf Gruppenebene. In Frankreich, wo anders als auf dem deutschen Markt E-Geräte mitvermarktet werden, wurden hohe Lagerbestände aufgebaut, um die Lieferzuverlässigkeit zu gewährleisten.

Aus weniger soll mehr werden

Das Vertriebsnetz auf dem deutschen Markt, für den Thorwart nun verantwortlich zeichnet, sah lange anders aus als in den übrigen Absatzmärkten der Gruppe. Neben den Exklusivhändlern gab es auch Multimarken-Händler, die Schmidt im Sortiment führten. Von diesen Multimarken- Händlern hat Schmidt sich im Verlauf des letzten Jahres getrennt; dieser Prozess soll bis Ende 2022 abgeschlossen sein. Die aktive Bereinigung des Händlernetzes habe im letzten Jahr entgegen dem Markttrend zu einem leichten Rückgang des Deutschland-Umsatzes geführt, räumt Thorwart ein. Bei den Partnerhäusern allerdings sei ein deutlich zweistelliges Wachstum verbucht worden.

In diese Richtung soll es weitergehen. Aktuell sind es 37 Schmidt-Partner auf dem deutschen Markt, bei denen es natürlich nicht bleiben soll. „Wir wollen jetzt die Flächendeckung erhöhen“, sagt Thorwart. Dabei wird auf Quereinsteiger gesetzt, die neue Küchenhäuser mit Gebietsschutz eröffnen wollen. Einige Neuverträge sind schon in der Pipeline. 2022, das ist schon absehbar, werden acht neue Händler dazukommen. Natürlich sind auch neue Filialen bestehender Händler nicht ausgeschlossen, in Deutschland gibt es bislang noch keine filialisierten Partner. Der größte Schmidt-Händler in Frankreich allerdings betreibt sogar 24 Studios. Auf ein mittelfristiges Ziel bei der Zahl der Partnerhäuser mag Thorwart sich nicht festnageln lassen. Nur so viel: „Wir planen eine merkliche Steigerung von einem Jahr aufs andere.“

Beim Druck aufs Gaspedal sollen neue Gebietsmanager, ein zusätzlicher Expansionsmanager und eine neue Schulungsleiterin für die „Schmidt Akademie“ unterstützen. An der Akademie werden Verkäufer und Händler geschult. Thorwart hat klare Vorstellungen davon, in welche Richtung die Fortbildungsmaßnahmen noch ausgebaut werden sollten. „Wir müssen mit den Händlern gemeinsam Erfolg haben“, sagt er. Nicht umsonst wirbt Schmidt mit dem Motto „Schmidteinander“ um neue Franchisepartner.

Der Gedanke, den Thorwart im deutschen Markt noch stärker vorantreiben will, heißt auf Französisch „entreprise étendu“ – erweitertes Unternehmen. Umschreiben kann man das als Netzwerk um ein Unternehmen herum. Der Erfolg der Netzwerkpartner entsteht durch gemeinsames Handeln. Übersetzt für den Küchenhandel heißt das: Hersteller und Handel stehen nicht auf unterschiedlichen Seiten. „Wir könnten in Deutschland zum Beispiel noch mehr Küchen verkaufen, wenn der Handel die Montagekapazitäten hätte“, sagt Thorwart. Im Küchenmarkt wird gerade spürbar: Engpässe im Handel wirken sich auch auf die Industrie aus. Diese Nadelöhre gilt es zu weiten. „Zukunftsaufgaben müssen Hand in Hand mit dem Handel gelöst werden“, so Thorwart. In dem Zusammenhang wird nun zum Beispiel geprüft, ob über die Schmidt Akademie auch eine Montageausbildung laufen kann. Auch Engpässen bei Auslieferfahrern muss begegnet werden.

Heiße Themen: Auslieferung und Montage

Thorwart: „Es sind viele Berufsfelder vernachlässigt worden. Gesamtgesellschaftlich wird das gerade in der Pflege offensichtlich. Es betrifft aber auch Auslieferfahrer. Als Hersteller kann man den Auslieferern die Arbeit erleichtern. Auch daran muss man arbeiten, wenn man in zwanzig Jahren noch Küchen auf die Straße bringen will.“ Der neue Schmidt-Geschäftsführer glaubt nicht, dass man Küchenmöbel in der Zukunft noch so ausliefern kann wie bislang, denn die Bereitschaft, diese Aufgaben zu übernehmen, wird geringer. In Frankreich hat die Unternehmensgruppe mit einer Produktschiene bereits ein anderes Logistiksystem angestoßen. Da muss sich was tun. Direkt in die Karten schauen lassen will Thorwart sich nicht. „Wenn die Zeit reif ist“, sagt er.

Viele von Thorwarts Zielen setzen den Weg seiner Vorgänger fort. Einige Punkte will er vertiefen. So hält er auch hierzulan- Schon lange mehr als Küche: de eine NPS-Messung für sinnvoll. Unter dem Net Promoter Score, kurz NPS, versteht man eine Kennzahl, die Aufschluss über die Zufriedenheit von Kunden gibt. „Nur ein absolut zufriedener Kunde empfiehlt weiter“, ist Thorwart überzeugt. „Das muss es auch in Deutschland geben, dass man die Endkundenzufriedenheit messen kann.“ Als weiteren Punkt will er die Stärken und Unterschiede der Marke Schmidt stärker erkennbar machen, dazu muss das Marketing konkret an den deutschen Markt angepasst werden. Und auch beim digitalen Verkaufsprozess sollen die deutschen Händler schneller vorankommen. Die digitalen Tools, die in Frankreich bereits erfolgreich genutzt werden, um Kunden in die Geschäfte zu bringen, sollen auch in Deutschland eingeführt werden.

Parallel wird in den Produktionsstandort investiert. Aktuell modernisiert man die Heizzentrale; noch bevor steht auch in Türkismühle die Einführung von Robotik, die in Frankreich bereits umgesetzt ist. Und was ist vom Küchenjahr 2022 zu erwarten? Auch darauf mag Thorwart nur eine „normannische Antwort geben“, wie er sich ausdrückt. Also ausweichend. Da seien zum einen erfolgversprechende Faktoren wie die hohe Bautätigkeit, allerdings ist die Frequenz in den Küchenstudios schon schwächer geworden. „Es sind mehr Anstrengungen nötig, um die Leute ins Geschäft zu bekommen.“ Ziel ist dennoch ein zweistelliges Wachstum.

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