Grundriss in Lebensgröße (mit Video)

Grundriss in Lebensgröße (Video)

Begehbare Pläne

28. Januar 2022, 9:54
Prinzip Anschaulichkeit: Grundrisse mit Beamern auf den Boden projizieren

Gerade mal vor rund einem Jahr gründeten die Immobilienmakler Gissou Ataee und Lucas Nummer ihr neues Unternehmen Grundriss in Lebensgröße. Ursprünglich auf die Bedürfnisse von Häuslebauern zugeschnitten, haben sie ihr Geschäftsmodell in den letzten Monaten in Richtung Küchenplanung erweitert. Aber schon versuchen Nachahmer, das Modell zu kopieren.

Am Anfang ist es oft eine Frage des Winkels. 45 Grad sind beliebt. Man fängt klein an und wächst langsam, aber stetig. Manchmal ist der Winkel auch spitzer. Im Falle von Grundriss in Lebensgröße liegt der Winkel aber fast bei 90 Grad. Das Start-up, von Gissou Ataee und Lucas Nummer, heute ein Ehepaar, im Dezember 2019 gegründet, kann man durchaus als Senkrechtstarter bezeichnen. An elf Standorten finden sich bereits Ableger der Idee. Und weitere Standorte sind in Planung, auch im Ausland. Im Turbomodus wollen Gissou und Lucas Nummer, die beide bis Ende 2019 als Immobilienmakler ihr Geld verdienten, ihre Idee im Markt etablieren. Denn sie wissen: Patentrechtlich schützen lässt sich ihre Geschäftsidee nur schwer. Im Grunde ist auch nicht gerade viel Equipment notwendig. Was es braucht, ist nichts weiter als: eine Halle, acht Beamer, Pappmöbel, rollbare Wände, ein Handy und natürlich den Grundriss des Hauses.

 

Und so sieht die Idee aus: Baupläne sollen sichtbar und begehbar werden, noch lange bevor der erste Bauarbeiter das Grundstück betreten hat. Wie das geht, klingt zunächst hochtechnisch, ist aber dennoch simpel:___STEADY_PAYWALL___ Acht Beamer, angebracht an der Decke der Halle, projizieren den Grundriss auf den Boden. Auf dem Boden werden Möbel aus Pappe platziert, die sich flexibel hin- und herschieben lassen. Statt sich anhand eines Plans abstrakt eine Vorstellung von der künftigen Wohnung zu machen, können die Kunden von Gissou und Lucas Nummer durch die Räumlichkeiten schlendern und bekommen so ein Gefühl, ob die Proportionen des Raumes, die Breite der Durchgänge, die Positionen der Möbel so für sie passen. „Laien können sich unter den Angaben zu Quadratmetern, Längen und Breiten oft kaum etwas vorstellen“, sagt Gissou Nummer. „Erst durch den maßstabsgerechten Nachbau bekommen die Kunden ein echtes Raumgefühl.“

Passt etwas nicht, lässt sich der Plan dann optimieren. Dass jemand seinen Plan komplett über den Haufen wirft, geschieht selten, erklärt das Start-up-Paar. Fast immer jedoch werden zahlreiche kleinere Anpassungen vorgenommen. Teure Planungsfehler, die sich im Nachhinein nur noch schwer oder unter erheblichem finanziellen Aufwand korrigieren lassen, sind auf diese Weise leicht vermeidbar. Wände am fertigen Bau wieder einreißen, Bäder nach Fertigstellung nochmals neu planen – das möchte niemand und kann schnell in die Zehntausende gehen.

Genau das ist auch das Argument, mit dem Gissou und Lucas Nummer den stolzen Preis für eine Stunde unter den Beamern rechtfertigen. Rund 500 Euro sind für eine Stunde fällig, sofern es sich um eine einfache Wohnung handelt. Bei mehreren Stockwerken kann es für den Kunden von Grundriss in Lebensgröße auch teurer werden.
Und klar, dem Preis stehen auch eine Reihe von Kosten gegenüber, mal abgesehen von der Miete der Gebäude, die sich meist in den Randlagen größerer Städte befinden, und dem Personal. 50.000 Euro kostet beispielsweise ein Hochleistungsbeamer, wie er bei Grundriss in Lebensgröße zum Einsatz kommt. Damit sich der Aufwand lohnt, ist das Unternehmen klar auf Wachstum ausgerichtet. Auf rund 1,5 Mio Euro Umsatz kam das Start-up mit seinen rund 40 Mitarbeitern im vergangenen Jahr, rund 6 Mio Euro sind für dieses Jahr anvisiert. Um die 500 Bauherren konnte das Start-up nach eigenen Angaben bereits für sich gewinnen. Dabei profitieren Gissou und Lucas Nummer von den zahlreichen Kontakten, die sie bereits als Immobilienmakler aufbauen konnten. Der Kundenpool ist bunt: Makler, Architekten, Fertighaushersteller, Bauträger gehören genauso dazu wie teils ein etwas exotischeres Klientel aus Hotel-, Apotheken- oder Yachten-Besitzern. „Alles, was einen Grundriss hat“, so Lucas Nummer, könne vom Service von Grundriss in Lebensgröße profitieren.

Man kann sich vorstellen, dass die Zahl der potenziellen Neukunden deutschlandweit, aber auch international immer noch groß ist – und damit genauso das Potenzial für weiteres Wachstum. Viel hängt dennoch davon ab, mit welcher Geschwindigkeit Gissou und Lucas Nummer ihr Unternehmen ausbauen, um das Feld der Verfolgergruppe aus Nachahmern abzuhängen. Nachdem Gissou und Lucas Nummer den Start von Grundriss in
Lebensgröße noch mit eigenem Geld finanziert hatten, war Anfang 2021 schnell klar, dass mehr Kapital für den Turbo notwendig ist, den es braucht, um das Modell langfristig erfolgreich zu machen.

Nummer Gissou Lucas Grundriss in Lebensgroesse 2

Der Auftritt von Gissou und Lucas Nummer und ihrem Mitarbeiter Maximilian Mühlegg bei der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ im März war ein Schlüsselmoment für das Team. Sie boten 20 Prozent der Firmenanteile für 300.000 Euro, machten aber auch klar, dass es ihnen um mehr als nur Kapital gehe. Auch auf die immaterielle Unterstützung der Investoren hofften sie. Dagmar Wöhrl und Nils Gla-gau boten 300.000 Euro für 30 Prozent. Mit weniger waren Carsten Maschmeyer und Judith Williams zufrieden: 300.000 Euro für 25,1 Prozent – so lautete ihr Angebot. Grundriss in Lebensgröße schlug zu.
Seit diesem Coup gibt Maschmeyer – ganz nach ihren Erwartungen – den Mentor und versorgt die Jungunternehmer mit Tipps und hilfreichen Kontakten. „Wahnsinn, wen er alles kennt“, sagt Lucas Nummer.

Die Erweiterung des Geschäftsfelds war der nächste wichtige Schritt für Grundriss in Lebensgröße. Denn schnell wurden einige Möbel-und Küchenhändler auf das Konzept des Start-up-Teams aufmerksam. So ziemlich alle wichtigen Verbände der Branche hätten bei ihnen angeklopft, seit sie ihr Modell auf der Küchenmeile im Herbst gezeigt hätten. Nachvollziehbar, denn gerade für die Küchenplanung eignet sich das Modell gut. Die Entscheidung fiel bekanntlich dann für Küchentreff. Die Chemie hätte einfach am besten gepasst, sagt Lucas Nummer.

Aber Grundriss in Lebensgröße verkauft Küchen nicht nur selbst, sondern bietet auch eine Art Franchise-Modell für Küchenhändler und Möbelhäuser mit Küchenabteilung an. Statt mit einer Fläche von 15 mal 15 Metern, wie für komplexe Haus- oder Wohnungsumrisse üblich, kommt dort die verkleinerte Version mit nur einem Beamer und 6 mal 6 Metern aus. Für alle eigenen Standorte von Grundriss in Lebensgröße gilt zudem: Bei jedem Ableger steht mindestens ein professioneller Küchenplaner zur Verfügung. Die Küchen kommen von Nobilia, Häcker oder Ballerina. Nobilia stellt die Prototypen auf der Beamerfläche.

Geplant werden die Küchen in einem ersten Schritt rein intuitiv auf dem Bildschirm an einem elektronischen Planungstisch mit kleinen Schrankmodellen – ein Verfahren, wie man es mittlerweile auch von anderen Digitalfirmen der Küchenbranche kennt. Einen Riesenvorteil haben die Jung-Unternehmen noch dazu: Da die meisten ihrer Kunden die Immobilie selbst bauen oder kaufen, geben sie meist auch mehr Geld für die Küche aus als der deutsche Durchschnittskunde. Gissou und Lucas Nummer bewegen sich in einem Preissegment von um die 25.000 Euro pro Küche. Und wer ohnehin ein Haus beim Start-up plant, der bekommt die begehbare Küchenplanung on top dazu. „Wir gehen davon aus, dass der Kunde die Küche auch kauft“, sagt Lucas Nummer. Überhaupt sei das Angebotsspektrum ja recht breit. „Küche, Möbel, Umzug, Finanzierung, Verkauf von Altbestand – das alles ist Teil unseres Business“, sagt Nummer. „Wir sind ja aus der Immobilienbranche und wir wissen: Jeder, der kauft, verkauft auch oft, weil er sich vergrößert oder verkleinert, weil die Kinder ausgezogen sind. Wir bieten Lösungen, die etwas anders sind als bei einem normalen Küchenverkauf.“

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