Möbel Schmid (Video)

Von Donzdorf bis London

16. November 2021, 10:52
Projekt in England

Gemeinsam mit seinem Großcousin Christof Schmid betreibt Markus Schmid im schwäbischen Donzdorf das zweitälteste am Netz befindliche Möbelhaus Deutschlands – und das älteste mit Küchenabteilung. Schmids Erfolgsrezept: eine Kombination aus Tradition und Weltoffenheit. Letztere hat dazu geführt, dass Markus Schmid neben dem EMV-Einrichtungshaus in Donzdorf und einem Küchenstudio in Aalen seit 2015 auch ein Contur-Küchenstudio in London betreibt.

Gegründet wurde Möbel Schmid im Jahr 1673 als Schreinerei, die Aufträge zunächst von Institutionen wie der Kirche und der gräflichen Familie erhielt. Nach und nach wurde auch die lokale Bevölkerung mit Möbeln beliefert. In den 1960er Jahren trat man dem damaligen Großeinkauf Europa Möbel bei, wurde durch dessen Fusion mit dem DMV EMV-Gesellschafter. Über zehn Generationen wurde das Unternehmen von Vater auf Sohn weitervererbt, inzwischen in zwei Familienstämmen. „Wir sind sehr traditionell“, sagt Markus Schmid. „Böse Zungen behaupten, ein Möbel-Schmid-Jahr seien sechs normale Jahre.“ Diese Einschätzung hält Schmid nicht davon ab, Neues zu probieren. In einigen Wochen geht Möbel Schmid zum Beispiel im unternehmenseigenen Youtube- Kanal mit Back- und Kochvideos an den Start, in denen Markus Schmids ebenfalls im Unternehmen tätige Ehefrau Kate Booty-Schmid einfache Rezepte mit regionalen Zutaten vorstellt. Fünf solcher Videos sind bereits im Kasten.

Kate Schmid kocht

Das Wettbewerbsumfeld rund um das Donzdorfer Einrichtungshaus – zwischen Stuttgart und Ulm – ist ungewöhnlich: Im Umkreis von etwa zwölf Kilometern gibt es ganze fünf mittelständische Einrichtungshäuser zwischen 3.000 und 6.000 qm Fläche, viele kleinere Küchenstudios und als den einen Großen Möbel Rieger in Esslingen. In Donzdorf bewirtschaftet Möbel Schmid heute etwa 2.200 qm Verkaufsfläche, weitere 300 qm umfasst das 2011 eröffnete Küchenstudio in Aalen, mit dem das Unternehmen seine Küchenkompetenz untermauert. „Als Vollsortimenter wird einem die Küchenkompetenz oftmals nicht abgenommen“, sagt Schmid. Beim Sortiment ist man kollektionstreu: Natura, Contur und Raum.Freunde machen einen Großteil der Fläche aus, die regelmäßig aktualisiert wird. Im Küchenstudio steht ebenfalls die von Schüller gelieferte EMV-Marke Contur im Vordergrund, ergänzt um die Premiumschiene aus Herrieden Next125. Contur-Küchen verkauft Markus Schmid auch in London. Zum Studio im Londoner Crouch End, das den Namen Markus Schmid Kitchens Ltd. trägt, kam der Unternehmer durch Zufall.

___STEADY_PAYWALL___Als Engländerin hat Kate Booty- Schmid Kontakte auf die Insel. Über mehrere Ecken kam eines Tages eine Anfrage aus London. Von einem deutschstämmigen Kunden, einem Hobby-Einrichtungsplaner mit Vorliebe für deutsche Produkte. Schmid flog spontan zum Aufmaß hin und erhielt den ersten Auftrag. Anderthalb Jahre später zog dieser Kunde um und ließ Schmid erneut seine Küche planen. Über Empfehlungen kamen weitere Londoner Kunden hinzu, bis das Geschäft schließlich von Deutschland aus kaum noch zu händeln war. Im englischen Markt bewegt Markus Schmid sich seit 2011. 2015 ging er mit der Eröffnung des kleinen Küchenstudios den nächsten Schritt.

Statthalter vor Ort ist der damalige Erstkunde, der seinen früheren Job kündigte. Er war bereits so tief im Thema, dass er auch im Verkauf tätig werden konnte. Finalisiert werden die Planungen allerdings in Schwaben. Mit 1,5 Musterküchen ist der Showroom in der englischen Hauptstadt vergleichsweise klein, aber ausreichend. Muster sind vorhanden. „Der Rest wird digital gemacht“, sagt Schmid, der in den letzten zehn Jahren viel über den britischen Küchenmarkt gelernt hat.

Aus hiesiger Sicht ist der Markt auf der Insel ziemlich speziell. Nicht selten werden zwei Backöfen oder zwei Geschirrspüler eingebaut oder es ist ein Gasanschluss erforderlich. Eigentlich sei der britische Küchenmarkt, wie er heute ist, erst in den vergangenen zwanzig Jahren entstanden. „Früher bestand eine Standardküche dort aus einem Standkühlschrank, einem Standherd und ein paar Unterschränken“, erklärt Schmid. Es gab einen riesigen Investitionsstau. Inzwischen werden in England Neubauten überall mit Küche verkauft, der größte Teil wird von den Bauunternehmen aber mit Massenware ausgestattet, die in Deutschland wohl unter „Einstieg“ verbucht würde. Große Player in dem Segment sind Wren, Howdens und Magnet.

Wenn Schmid über den britischen Markt spricht, meint er die Lage vor dem Brexit, der ja alles von Verbraucherkrediten bis zur Zollabwicklung schwieriger gemacht hat. Vor dem Brexit also hatte der gut betuchte Mittelstand genug Geld für eine gute Küche, aber nicht für die High-End- Küchen aus britischen Manufakturen. Von wohlhabenden, aber nicht reichen Leuten waren da besonders deutsche Küchen gefragt. Vor dem Brexit hatte Schmid auch mal eine Erweiterung, sogar einen Umzug in eine größere Immobilie angedacht. Diese Pläne sind erstmal vom Tisch. Während vor dem britischen EU-Austritt 25 bis 30 Küchen jährlich in London verkauft wurden, waren es zuletzt nur noch drei oder vier. Doch allmählich sind die Regularien geklärt und auch die Nachfrage zieht wieder an. Einige Händler in London mussten Brexit- und Corona-bedingt ihre Türen zusperren, Fachkräfte für Montage und Auslieferung sind noch schwieriger zu bekommen als zuvor. Schmids Subunternehmer sind nach wie vor dabei. Schmid: „Jetzt werden die Karten neu gemischt.“

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