BT45

Küchen und Knarren

20. September 2021, 18:16
Mit AK 47 im IDF34: BT45 auf der Messe

Spektakulär, groß, individuell: BT45 aus Löhne hat sich auf Küchen spezialisiert, die teuer sind wie seltene Oldtimer.

Kaum einer in der Küchenindustrie kennt seine Kunden so schlecht wie Eric Mnat. Und doch weiß er ganz genau, was sie wollen. „Unser Segment sind Traumküchen“, sagt Mnat. „Bislang gab es im Bereich über 250.000 Euro keine Küche aus Deutschland. Diese Marktlücke haben wir besetzt.“ Dass das Gros der BT45-Küchen in den Export geht, liegt bei den aufgerufenen Preisen auf der Hand. Für den Preis der bislang teuersten ausgelieferten Küche hätte man sich 2013 den originalen Lotus Esprit aus „Der Spion, der mich liebte“ kaufen können (der zwar nicht straßentauglich, aber als U-Boot einsetzbar ist). Bei heutigen Preisen wäre für 650.000 Euro immerhin auch ein Aston Martin DB 5 aus den 1960er Jahren drin, wenn auch keiner mit Schleudersitz und Raketenwerfern.

Golden Gun BT45

„Segment Traumküche“

Und mit Anleihen an den Film-Agenten arbeitet auch BT45 gerne im Marketing: Wer eine Küche unter dem Namen MI45 auf den Markt bringt, die in einer Geheimschublade natürlich Platz für eine Golden Gun hat, und sie per Video als „Secret Agent’s Kitchen“ bewirbt, setzt auf den Glamour-Effekt. Passend dazu güldenes Geschirr, eigentlich fehlt bloß noch ein goldenes Fabergé-Ei. Natürlich besteht diese Küche nicht nur aus Blink-Blink: Drei Koch-Inseln aus afrikanischem, schwarzem und kupferadrigem Saint-Laurent-Marmor für Kochfelder und Spüle sowie Schränke mit Front aus amerikanischem Walnussholz gehören schon dazu. Aber – und das wiederholt Mnat in Variationen – bei Luxusküchen dieser Größenordnung geht es nicht primär um Kulinarisches, sondern um die Inszenierung, das Spektakel. „Es geht um Individualität und Status.“ Und sowas kriegt man verkauft? „Es gibt sehr wenige Menschen, die hierzulande 300.000 bis 400.000 Euro für eine Küche ausgeben. Aber unsere Wirtschaft exportiert jeden Tag Autos, die so viel kosten, in alle Welt. Warum nicht auch eine sehr hochwertige Küche?“ ___STEADY_PAYWALL___

Dass die Küchen von BT45, die durchaus aus mehreren eigenen Räumen bestehen können, sich auch hierzulande verkaufen lassen, zeigten aktuelle Anfragen. Bloß, dass hierzulande über solche Projekte kaum geredet werde. Mnat, in Wiesbaden und Mainz aufgewachsen, ging in die USA und kennt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Auch in der eigenen Firma geht es international zu. „Bei uns werden 14 Sprachen gesprochen. Es ist bei einem internationalen Kundenkreis von Vorteil, wenn man nicht nur Menschen im Team hat, die Mandarin sprechen, sondern auch Kantonesisch. In Hongkong ist das beispielsweise wichtig. Das Team besteht derzeit aus etwa 120 bis 130 Leuten, die mit uns arbeiten. Viele halten einen gewissen Kapitalanteil an der Firma. Das ist nun mal typisch amerikanisch. Und wir funktionieren wie ein Start-up.“ Von Fünf-Tage- oder 40-Stunden-Wochen hält Mnat, früher einmal Juso, nicht viel. Mit solcher Einstellung könne man in den USA nicht punkten. „Hersteller müssen dort sofort erreichbar sein und Probleme lösen können“, sagt er mit Blick auf hiesige Wettbewerber, die sich in Nordamerika schwertäten.

Ohne Fremdkapital

Die Firma hat Mnat, Jahrgang 1978, ohne Fremdkapital aufgebaut und ist Alleininhaber. „Im Jahr 2019 haben wir weltweit 20 Mio Dollar umgesetzt. Mit Küchen, vor allem aber mit großen Projekten“, verrät er. „Sehr groß sind wir nicht, aber wir haben noch viele Möglichkeiten weiter zu wachsen.“ Mnat, seit 2004 wieder in den USA und inzwischen dort Staatsbürger, hat den American Way of Life verinnerlicht. „Ich bin dem Land sehr dankbar“, so Mnat, der Bauformat seit etwa zehn Jahren in den USA vertreibt und auch zwei Restaurants, ein Hotel und einen Kindergarten besitzt. Letzterer kam irgendwann über einen Bekannten ins Portfolio. Sein größtes Projekt ist aber BT45, auch sein Traum. „Meine Leidenschaft sind Innovation, Design, Erfolge schaffen“, beschreibt er die Motivation.

Ursprünglich waren die Traum(preis)-küchen nur für den US-Markt gedacht. „Dann kamen Kanada, Mexiko, die karibischen Inseln, Großbritannien, Russland, Saudi-Arabien, Dubai und China hinzu.“ Auch aus München haben sie den ersten Kunden schon vor ein paar Monaten zu Gast gehabt. Zwischen sechs und acht Monaten dauerten die meisten Projekte bislang. Ausliefern, da hat man sich Tempo verordnet. „Wer bei uns eine BT45-Küche der Reihe XS bestellt, der erhält sie innerhalb von 45 Tagen. Ansonsten ist sie für den Kunden kostenlos.“ Amerikanische Marketing-Versprechen und deutsche Gründlichkeit gehen Hand in Hand. „Für mich war klar, nur im DACH-Raum kann ich so produzieren. Wir sind eine deutsche Firma mit einem weltweit schlagenden Herz. Da sind so viele Kulturen und Nationen im Team. Ein sehr gutes Beispiel, um voneinander zu lernen, zusammen Erfolg zu haben.“ Während man beim Design auch viel mit italienischen Büros zusammenarbeite, produziere man dagegen in Löhne. Mit Bauformat arbeitet man zusammen. Angelehnt ans Bauformat-45-Konzept ist der Name, in den Broschüren heißt es, die Küchen seien „developed by Bauformat and made in Germany“, weswegen mancher im Markt BT45 bislang nicht als eigenständigen Anbieter angesehen hat. Die 45 im Firmennamen ist natürlich auch eine Referenz an den bei Bauformat üblichen 45-Grad-Winkel.

Andere Preisklasse, andere Regeln: „Fast immer meldet sich nicht der Kunde bei uns, sondern dessen Assistent oder Innenarchitektin“, sagt Mnat. Daher habe man von Anfang an den Kontakt zu Architekten oder Designern gesucht. Umgesetzt wird, was gewünscht ist. In den USA seien häufiger auch Waffenkammern gefragt – bekanntlich ist dort die Schusswaffendichte recht hoch. Auch andere ausgefallene Ideen wie um 360 Grad drehbare Küchen-Inseln setzt man um. „Küche ist Entertainment“, ist Mnat überzeugt. Fast schon logisch, dass auch ein Geheimzimmer nur für Sexspielzeuge offenbar auf Nachfrage trifft. Man dürfe nicht vergessen, mdass es Kunden gebe, die in ihren Häusern bereits mehrere Küchen hätten. Also muss man denen etwas bieten. Im Prinzip wird alles geliefert, bis hin zum passenden exklusiven Besteck. Gerade erst hat das Team für ein Projekt allerfeinstes Rosenthal-Porzellan begutachtet. „In Löhne zeigen wir beispielsweise ein Ankleidezimmer, von außen mit Leder verkleidet, das alleine 200.000 Euro kosten wird.“ Zu sehen im IDF34.

Wie soll es weitergehen? In den USA und in Kanada werden die Küchen bereits ausgestellt, bald sollen sie in Dubai und Moskau ebenfalls dauerhaft zu sehen sein, China steht als Nächstes auf dem Plan. „Das geschieht über ein exklusives Franchise-Konzept. So haben wir auch weiter die Kontrolle über alles.“

BT45 Agentenküche

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