Lareh

Kickstarter-Küche

05. August 2021, 18:23
Das Lareh-Team: Maximilian Kara, Martin Krauß, Verena Zöller, Andi Schöhl, Marco Bazelmans

Ein eigener Werkstoff, ein geheimnisvoller Name und eineinhalb Jahre Entwicklung: Im unterfränkischen Klingenberg hat ein fünfköpfiges Start-up die Outdoorküche neu erfunden.

„Wer schon mal ein Billy-Regal aufgebaut hat, wird mit unserer Küche auch fertig werden“, sagt Maximilian Kara. Der 40-Jährige ist einer der drei Gründer von Lareh und deren CEO. Vor ein paar Jahren kam er auf die Idee, eine modulare Küche für draußen zu entwickeln, simpel aufbaubar, einfach zu handhaben. Der gelernte Glasbläser (ein Kommunikationsstudium hat er sich phasenweise ebenfalls gegönnt) ist seit Jahren im Bereich Werbemittel-Bau tätig, auch für Baumärkte. Von diesen Projekten kamen einige Inspirationen. Erste Versuche mit einem geschäumten PVC-Werkstoff mussten Kara und sein Team allerdings aufgeben – die Materialeigenschaften passten dann doch nicht. Was passte, war der Ansatz: „Wir haben unsere Outdoorküche vom Thema Kochen ausgehend konzipiert, nicht vom Grillen“, so der Gründer.

Jetzt haben sie ihr System ausentwickelt und gehen an den Start. Zunächst im IDF34, dem Showroom in Löhne, der für ein Start-up wie dieses wie gemacht ist – geht‘s dort doch um „Innovation, Friends, Design“. Parallel aber auch im Web und in weiteren Showrooms. Zusammen mit dem jetzigen Finanzchef Martin Krauß, der mit seinem Vater bei einem kunststoffverarbeitenden Betrieb die Geschäfte führt, war Kara auf der Suche nach der perfekten Outdoor-Küche.___STEADY_PAYWALL___ Industriedesigner Andi Schöhl komplettiert das Gründer-Trio. Der heute 27-Jährige hatte schon im Studium einen eigenen mobilen Grill entworfen – klar, dass das der Mann für die Gestaltung der Lareh-Küche werden musste. Das Team der jungen Firma aus Klingenberg am Main besteht inzwischen aus fünf Mitarbeitern: Marco Bazelmans arbeitet ebenfalls am Design und Verena Zöller hat das Produktmanagement übernommen. Als gelernte Tischlerin und spätere Produktmanagerin im Bereich Möbel für Kinder ist sie die einzige aus der Mannschaft, die schon über Erfahrungen in der klassischen Möbel- und Küchenmöbelindustrie verfügt.

Ab September wird es richtig ernst: Bis zum Start im Ausstellungszentrum in Löhne muss beispielsweise die Webseite von Lareh fertiggestellt sein, dafür stehen noch Fotoshootings an. Große Premiere wird am 11.9. sein, in Klingenberg; nämlich da wo die kleinen grünen Dosen herkommen, beim Alten Gewürzamt, bzw dem Hersteller der Marke, der Altes Gewürzamt GmbH Ingo Holland. Nicht der schlechteste und unbekannteste Partner, bei dem man vom Start weg zeigen kann, was man entwickelt hat. Zwei-Sterne-Köche werden dort erstmals zeigen, was die Lareh-Küche kann. Logisch, dass in der Umgebung auch ein Showroom entstehen wird, mit dem das Rhein-Main-Gebiet abgedeckt wird; wenn auch nicht beim Gewürzamt, mit denen aber dennoch eine weitergehende Kooperation angedacht ist. In Berlin könnte dann eine weitere Präsenz folgen, später dann andere Ballungsräume. Da der Vertrieb übers Internet geplant ist, soll ein Netz aus kleineren Showrooms entstehen, damit Kunden die Lösung vor Ort kennenlernen können, im Showroom bei Live-Events. Im Netz wird neben der eigenen Homepage auch eine Kickstarter-Präsentation aufgesetzt; schließlich soll auch Kapital eingesammelt werden. Bislang trommelt das Quintett vor allem via Social Media für seine Lösung. Das sei „unfassbar spannend“, so Kara. „Wir bespielen Instagram sehr intensiv und machen auch auf Facebook auf uns aufmerksam. Wir wollen zu einem späteren Zeitpunkt auch Anregungen von Nutzern in die Produktentwicklung einfließen lassen.“

Unter 10.000 Euro

Bislang 1.100 Follower haben sie schon für ihr Produkt. Das soll einschlagen auf dem Markt. „Unter 10.000 Euro wollen wir bleiben, für eine voll funktionsfähige Outdoorküche mit Heißwasser, Spüle, Grill und Kochfeld“, so Kara. Alles made in Germany und auch beim Thema Nachhaltigkeit hat das Start-up nun eine umweltverträglichere Lösung parat: Für die Korpusse wird ein Alu-Verbundwerkstoff aus recycelten Fassadendämmplatten genutzt. Also ein Sandwichmaterial mit hoher Bruchfestigkeit, hoher Zugeigenschaft, verschraubbar, auch mit Bindern oder Umleimern; das Dekor kann aufgedruckt werden, Lack wird in zwei Schichten aufgetragen. „Beim Grill nutzen wir einen Schickling-Grill“, erklärt Kara. Die von der EdelDesign GmbH aus Visbek hergestellten Edelstahlgrills mit vier Gasbrennern wären optimal – und mit den Geschäftsführern der Grill-Schmiede, den Brüdern Philipp und Oliver Schickling, teile man die Leidenschaft für die Küche unter freiem Himmel. Das modulare Küchen-System von Lareh soll den Käufern später viele Möglichkeiten eröffnen. So setzt man auf Wechselfronten mit Dekoren von MB Digitalprint sowie Basismodule in drei Breiten (455, 600 und 1.200 mm) bei einer Tiefe von 675 mm und einer Höhe von 855 mm. Der PremioGas XL-Grill von Schickling findet in einem 910 mm breiten Modul Platz. Auf beiden Seiten dieses Bausteins können Auszüge (etwa für die Gasflasche), Fachböden oder ausziehbare Mülleimer untergebracht werden. Bei den Modulen achtet Lareh auf eine möglichst unkomplizierte Montagemöglichkeit. Bis die richtige Lösung für einen sicheren, aber alleine von Laien zu installierenden Stromzugang (IP44-zertifiziert) gefunden wurde, wurde hin und her geplant. Für den Nutzer ist es letztlich nur ein wasserdichter Mehrfachstecker. Auch die Frage, ob es ein Boiler sein soll (ja) und wie der so gestaltet sein kann, dass er sich einfach ein- und ausbauen lässt – da wurde viel Detailarbeit geleistet. Die Schnellkupplung sorgt dafür, dass das Gerät in wenigen Minuten (de-)installiert ist. Praktisch, wenn mal eben ein spontanes Wintergrillen mit Freunden ansteht. Ebenfalls bei der Auswahl der Komponenten war entscheidend, dass man sehr schnell lieferfähig ist. „Wer eine Selbstbau-Küche bestellt, der will nicht Wochen warten“, ist Kara überzeugt. Die Bauanleitung soll übrigens hybrid daherkommen: gedruckt und mit QR-Codes, die zu Aufbau-Videos hinleiten, so der Plan.

Noch gibt es einige Aufgaben zu erledigen, im Handelsregister ist die Lareh GmbH bereits eingetragen. Manch weiteres ist auch von externen Faktoren abhängig, etwa die Erteilung des eingereichten Patents auf die Verwendung des Werkstoffs für Außenküchen. Auch bei der Wahl des Namens musste das Team sich um einen entsprechenden Schutz bemühen. „Viele Ideen mussten wir verwerfen. Jetzt heißen wir Lareh“, sagt Kara. Bedeutet was? „Ganz ehrlich? Der Name hat keine Bedeutung. Wir haben uns diverse Buchstaben an die Wand geheftet und sie mit Schnüren verbunden. Irgendwann entstand daraus der Name.“ Spätestens, wenn ab kommendem März die ersten Küchen ausgeliefert werden, soll sich das natürlich geändert haben – und Lareh dann von Kennern als Synonym für die freche junge Outdoorküche aus Unterfranken erkannt werden.

 

 

 

 

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