VdDK-PK

Sonne und Schatten bei den Küchenmöblern

22. September 2021, 11:25
Jan Kurth und Stefan Waldenmaier

Es ist eine Situation für die Küchenmöbelbranche, für die es kein Beispiel gibt. Positive und negative Effekte der Corona-Krise stellen die Player vor Herausforderungen, die kaum mit Patentrezepten zu lösen sind. Zu den positiven Effekten gehört sicher, dass die Umsätze steigen wie lange nicht. Das wurde jetzt auch auf der VdDK-Pressekonferenz im Rahmen des ostwestfälischen Messeherbstes in der Architekturwerkstatt deutlich.

Per Ende Juli 2021, so war dort zu hören, kann die deutsche Küchenmöbelindustrie ein Umsatzplus von 14,7 Prozent vorweisen, allerdings bezieht sich das Plus auf niedrige Vergleichswerte des Vorjahres, als die Pandemie ihren Anfang nahm. Unwahrscheinlich deshalb, dass sich die Entwicklung im zweiten Halbjahr 2021 so fortsetzt. Dennoch geht der Verband der deutschen Küchenmöbelindustrie davon aus, dass 2021 ein „außerordentliches gutes Wirtschaftsjahr“ wird.

Leicht-Chef Stefan Waldenmaier erklärte als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Küchenmöbelindustrie (VdDK) die Lage so: Im vergangenen Jahr habe es eine V-förmige Entwicklung gegeben. Absturz und steiler Aufstieg der Konjunktur folgten rasch aufeinander. „So etwas führt zu extremen Problemen in einem filigranen Lieferantengefüge“, so Waldenmaier. „Und diese Entwicklung aus dem vergangenen Jahr hat signifikante Auswirkungen, die wir heute noch spüren.“

Große Probleme gibt es bei den Holzwerkstoffen, im beschichteten Bereich, bei Rohspanplatten, HDF, MDF - alles ist knapp, genauso aber auch im Beschlagsbereich. Mehr als Hälfte der VdDK-Mitglieder berichtet davon, dass der aktuell schwierige Lieferstand mindestens erhalten bleibt, und etwa die Hälfte glaubt sogar, es könnte noch schlimmer werden. Gestützt wird das übrigens auch durch Zahlen des ifo-Instituts, lautet denen 86 Prozent der befragten Unternehmen aus der Möbelbranche gesagt haben, dass sich die Lage in der Materialversorgung noch weiter zuspitzt. Hinzu kommen logistische Herausforderungen, weil in den nächsten Jahren viele Lkw-Fahrer in Rente gehen und die freien Stelen kaum mit Nachwuchs besetzt werden können. 

Waldenmaier betonte aber auch die positiven Begleiterscheinungen der Pandemie: „Ich glaube, dass die Pandemie ein Kipppunkt war“, sagte er. Vor der Pandemie habe es eine Phase des Hedonismus gegeben, es wurde „laut gelebt“. Restaurantbesuche, Kurzflüge in Metropolen waren selbstverständlich. „Mit der Pandemie kam der Sinneswandel und die Erkenntnis, wie wichtig Heim und Haus sind“, so Waldenmaier. Diese neue Grundströmung, genauso wie der Trend zu gesünderer Ernährung und die anhaltenden Investitionen in Immobilien würden die Branche in den nächsten Jahren unterstützen. Kurz: Die Pandemie belastet das Geschäft mit Küchen und befeuert es zugleich.

Ergänzend zu den Erläuterungen von Waldenmaier stellte VdDK-Geschäftsführer Jan Kurth fest, dass das erste Halbjahr 2021 verglichen mit den Zahlen von 2019 immerhin noch ein Plus von 12 Prozent ergibt, ein Hinweis auf die insgesamt gute konjunkturelle Entwicklung derzeit. „Das zeigt, dass die Branche tatsächlich sehr gut unterwegs ist und sich in dieser Krise gut behauptet hat“, sagt Kurth. Auch der kumulierte Auftragseingang bis August zeige mit einem wertmäßigen Plus von 10 Prozent, dass für das zweite Halbjahr noch einiges in der Pipeline ist. Manche Küchenmöbler sagen bereits jetzt, dass sie die Produktion für 2021 schon komplett ausgelastet haben.

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