Störmer / Garantiemax

Wie Apfeltaschen

14. April 2021, 16:02
David Finkler

In dieser Woche ist Störmer Küchen mit seiner auf der Herbstmesse vorgestellten Zehn-Jahres-Garantieverlängerung an den Start gegangen.

XCare+ Kitchen wurde das Produkt getauft. Anbieter ist bekanntlich die Garantiemax GmbH mit der Signal Iduna-Gruppe als Rückversicherer. Ideengeber war Störmer-Chef Christoph Fughe, der als Musterring-Lieferant über die Musterring-Fünfjahres-Garantie drauf stieß. Um dabei mitmachen zu können - die Musterring-Garantie ist eine Lieferantengarantie - hätte Störmer Rückstellungen in der Bilanz bilden müssen. Das kam für das Unternehmen nicht in Frage zum damaligen Zeitpunkt. Wie man weiß ist Störmer im Zuge der ERP-Umstellung durch stürmische Zeiten gegangen.

Über die Frage, wie es in anderen Branchen eigentlich so läuft mit der Garantieverlängerung, kam Fughe mit David Finkler, Gründer und CEO von Garantiemax, ins Gespräch. Gemeinsam mit Störmer hat man das Thema angestoßen, Garantiemax spricht aber auch mit anderen Herstellern, mit Verbänden und Händlern.

Bei der Vermarktung von XCare+ Kitchen setzt Fughe auf das Apfeltaschen-Cross-Selling-System von Mc Donalds: Bei jeder Bestellung eine Apfeltasche mit anbieten. Funktioniert ja auch bei Schuh-Pflegespray, meint Fughe, der sieben davon zu Hause hat. Jeder Störmer-Kunde wird also in Zukunft eine Garantieverlängerung mit angeboten bekommen.

Zehn Jahre Garantie, das ist in der Branche schon außergewöhnlich (INSIDE 1102 „Garantieverlängerung - na sicher!“), kostet aber auch ein paar Euro. Dafür gibt es weder Selbstbehalt noch Zeitwertabzüge. Und: Die Garantie gilt nicht nur für Geräte, sondern auch fürs „Holz“ und umfasst u.a. auch sich lösende Folien, Montagefehler, defekte Schließmechanismen, Schäden durch Wasserdampf, Glasschäden, übermäßige Beanspruchung, Schäden an Armaturen, etc.

Zur Messe im Forum26 war ein Komplettpaket für Holz und Geräte vorgestellt worden, das in Deutschland und Benelux verfügbar sein sollte. Inzwischen hat man entschieden, als weiteres Produkt auch eine zehnjährige Garantieverlängerung nur auf Holzteile anzubieten. Und zwar weltweit - das war speziell Störmer-Vertriebschef Thomas Klee wichtig, der weiß, wie der Hase im Export läuft. Mit dem abgewandelten Produkt geht Störmer jetzt in die Offensive.

Auch Fughe geht davon aus, dass die Garantieverlängerung speziell für Exportkunden von Interesse ist, die sich ja in einem anderen Rechtsraum bewegen und andere Sprachen sprechen. „Ich gehe davon aus, dass 50 Prozent unserer Kunden das machen werden“, sagt Fughe. Im Inland ist die Kundenschar mit Küchen aktuell und Segmüller ohnehin überschaubar. Das Komplettpaket zur Versicherung von Holz und Geräten kostet stramme 649 Euro. Fürs Holz allein werden einmalig 249 Euro fällig. Für das Objektgeschäft hat Störmer zusätzlich noch eine preislich auf kleinere Küchen angepasste Version erarbeitet.

Das Umsatzloch der Jahre 2018/2019 konnten sie in Rödinghausen 2020 fast wieder rausholen. Am Jahresende stand bei 27 Mio Euro Umsatz ein Plus von 28 Prozent in den Büchern. Seit Ende 2018 hat der Küchenbauer mit Investor Partners einen Finanzinvestor im Hintergrund, ohne den es wohl nicht weiter gegangen wäre. Fughe kleckert da auch nicht mit Selbstkritik. Die massiven Probleme waren durch die ERP-Einführung verursacht worden. Fughe: „Wenn Sie eine rote Küche bestellt haben, haben Sie eine grüne bekommen“. Eigentlich tödlich für ein Unternehmen, Störmer habe aber Glück gehabt, dass es Leute gab, die an die Story geglaubt hätten. Damit meint Fughe vor allem Küchen-aktuell-Chef Claus Küpers, der sich nicht gescheut hat, den Finger in die Wunde zu legen und darzustellen, wie sich das Unternehmen aus Sicht eines Handelskunden verändern muss. Und als Kunde trotz aller Schwierigkeiten an Bord geblieben ist. „Wir haben die Zuverlässigkeit massiv gesteigert“, sagt Fughe. Rückblickend habe die ERP-Umstellung sich gelohnt, trotz aller Schwierigkeiten.

Einen Rechtsformwechsel hat Störmer Formwechsel im letzten Jahr auch noch hinter sich gebracht - Störmer mit seinen 180 Mitarbeitern ist nun eine AG mit dem Namenszusatz „the digital furniture company“. Warum? Als AG mit einer „Story“ ist es einfacher, Geld für künftige Investitionen zu bekommen, sagt Fughe. Und zwar ohne die klassischen Hausbanksysteme, die die Schwierigkeiten der letzten Jahre negativ bewerten würden.

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