Nolte

Die Lage in Löhne

06. Oktober 2021, 10:47
Nolte Forum in Löhne

Dem besten Jahr der Firmengeschichte, dem Jahr 2020, wird für die Küchenunternehmen der Familie Nolte 2021 ein weiteres folgen. Mit dem Geschäftsführer-Trio von Nolte-Küchen und Express-Küchen haben wir Anfang September über die aktuellen Themen in Löhne und Melle und über die weiteren Pläne gesprochen.

Guten Tag Frau Thomann-Bopp, Herr Hogrebe, Herr Wefing. So kurz vor der Hausmesse - wie ist die Lage in Löhne?

E.W.: Wir haben ein deutliches Plus beim Auftragseingang. Natürlich sind wir im ersten Halbjahr gegen ein relativ schwaches erstes Halbjahr 2020 gefahren. Jetzt vergleichen wir mit einem starken zweiten Halbjahr 2020. Bei Nolte sind wir immer noch sehr stark. Auch mit Express sind wir gut unterwegs, allerdings war dort das Tal etwas tiefer, weil der Discountbereich stärker vom Lockdown betroffen war als der Mittelstand oder die Küchenstudios, die den Verkauf auch bei verschlossenen Türen am Leben gehalten haben. Als die Geschäfte wieder öffneten, wurden wir bei Express regelrecht von Aufträgen überrollt. ___STEADY_PAYWALL___

Am nächsten Wochenende, zu Messebeginn, eröffnen Sie in Löhne das neue Nolte-Küchen-Ausstellungszentrum. Wir haben eine ziemlich schwergewichtige Einladung zur Ausstellungseröffnung bekommen. Auf einem Stück Spanplatte.

E.W.: In diesem Jahr sollte es etwas Besonderes sein. Die bisherige Ausstellung stand seit 1997. Dieses Jahr steht die 25. Hausmesse an, eine Jubiläumsmesse also im neuen Gebäude. Der Platz im bisherigen Ausstellungszentrum reichte einfach nicht mehr aus, um unsere Sortimente durchgängig zu zeigen. Und auch für Schulungen wurde es zu eng. Wir haben in den letzten fünf Jahren die Zahl der Schulungsteilnehmer mehr als verdoppelt. Mit dem neuen Ausstellungszentrum haben wir nun die Fläche etwas mehr als verdoppelt.

Wie wird die zusätzliche Fläche genutzt?

E.W.: Wir zeigen ein paar Küchen mehr, auch großzügigere Planungen. Und wir haben ein Kompetenzcenter für technische Schulungen. Die Gangbreiten mussten angepasst werden, und natürlich bekommt auch Nolte Spa ausreichend Raum.

Wie viele Küchen, wie viele Bäder werden wir sehen?

E.W.: Je nachdem, ob man das Kompetenzcenter Küchen mitzählt - nach aktuellem Stand sind wir jetzt bei 46 Küchen und neun Bädern.

Und darüber hinaus?

E.W.: Wird es erstmals einen eigenen Bereich Living geben. Vom Handel wurde massiv der Wunsch an uns herangetragen, auch Planungsmöglichkeiten, Vorschläge und Lösungen mit Küchenmöbeln für den Wohnbereich zu entwickeln.

Aber einen eigenen Wohnmöbelkatalog werden Sie nicht bringen?

E.W.: Nein. Es gibt Planungsbeispiele und Planungsvorschläge in den Unterlagen, in den ganz normalen Küchenverkaufshandbüchern. Es gibt kein eigenständiges Unternehmen. Lediglich einen Markennamen haben wir angemeldet.

In Sachen Produktneuheiten, was ist geplant?

E.W.: Auch in diesem Jahr gibt es keinen Riesen-Blumenstrauß an neuen Fronten. Es geht weiterhin hauptsächlich um eine Abrundung und Ergänzung der Sortimente. Die Küche drückt sich heute auch nicht mehr nur über die Front aus, sondern über die Gestaltungsmöglichkeiten. Hier haben wir interessante Sachen vorbereitet. Im Hinblick auf die Beschaffungsmärkte würde ich sagen, es erwartet auch niemand 15 neue Fronten. Das was gut läuft, wird weiterhin ergänzt. Und im Bereich Neo wird es eine relevante Ergänzung geben, auf die man gespannt sein kann.

Keine siebte Korpushöhe, kein neuer Schubkastenbeschlag, keine neuen Gerätelieferanten?

E.W. Sie müssen sich überraschen lassen.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie zur Messe?

E.W.: Die Anmeldezahlen sind extrem hoch. Das wird aber hauptsächlich daran liegen, dass die Corona-Regeln Anmeldungen nötig machen. Wir haben natürlich auch wegen der Eröffnung der neuen Ausstellung verstärkt getrommelt. Ich rechne mit 70 bis 75 Prozent der Besucher eines normalen Jahres, im letzten Jahr waren es deutlich weniger.

Frau Thomann-Bopp, Sie sind seit Mitte April dabei, haben die Nachfolge von Herrn Wippermann in der Geschäftsführung von Nolte-Küchen und Express-Küchen angetreten. Von wo aus sind Sie in die Küchenbranche gekommen?

Melanie Thomann-Bopp: Ich war ein Branchenneuling, war vorher überwiegend im Handel tätig und viele Jahre in der Douglas-Gruppe, als sie noch börsennotiert war. Ich hatte Einblick in unterschiedliche Sparten von Parfümerie über Bücher bis Schmuck und war in meinen letzten Jahren dort ebenfalls in der Rolle der kaufmännischen Geschäftsführerin tätig. Sechs Jahre lang habe ich bei Christ ähnliche Bereiche verantwortet wie nun bei Nolte: den Zahlenpart, aber auch Themen wie IT und HR. Und in den letzten drei Jahren war ich bei Sonova tätig, einem Schweizer Konzern, der Hörgeräte herstellt und sie auch im eigenen Handel vertreibt. Aus dieser Zeit sind mir Strukturen bekannt, die auch im Küchenbereich eine Relevanz haben - wie Wholesale, Retail, Verbände.

Was hat Sie an einem Wechsel in die Küchenbranche begeistert?

M.T.-B.: Die Motivation war auf der einen Seite, auch in der kaufmännischen Geschäftsführerrolle breitere Aufgaben zu haben. Auf der anderen Seite ist die Branche sehr spannend und man kann sich mit dem Produkt identifizieren. Ob Duft oder Küche, für mich war es immer wichtig, mich identifizieren zu können. Das wäre bei Stahl oder Strom nicht so.

Welche Berührungspunkte haben Sie denn mit dem Produkt in Ihrer Funktion?

M.T.-B.: Es ist wichtig, das Produkt und die Herausforderungen zu verstehen. Natürlich spielen in den kaufmännischen Bereichen Zahlen eine große Rolle, aber auch Prozesse und Abläufe, so dass man schon mit den Produkten in Berührung kommt.

Steht Ihnen Herr Wippermann noch mit Rat und Tat zur Seite?

M.T.-B.: Ja. Wir hatten eine sehr gute Einarbeitung über sechs bis sieben Wochen, was in der heutigen Zeit schon sehr lang ist. Herr Wippermann ist nach wie vor auch noch der Beiratsvorsitzende von der gesamten Gruppe und für die Nolte Holding tätig.

Sagen Sie uns aus der Sicht von jemandem, der andere Branchen kennengelernt hat und neu in der Küchenbranche ist: Ist die Küchenbranche wirklich anders als andere Branchen?

M.T.-B.: Natürlich ist die Küchenbranche nicht vergleichbar mit dem klassischen Retail, das ist gar keine Frage. Auch die Verbandsstrukturen, das Produkt und die Variantenvielfalt sind etwas Besonderes. Aber sind die Herausforderungen im HR-Bereich total anders? Da würde ich sagen: Nein. Beim Thema Personalknappheit und dem Umgang damit gibt es durchaus Parallelen. Die Herausforderungen in der IT sind auch überall ähnlich. Jede Branche hat definitiv ihre Besonderheiten, aber die dürfen nicht als Argument dienen, alles andere beiseite zu wischen.

Gibt es irgendetwas, das Sie total erstaunt hat? Das Thema Blockverrechnung zum Beispiel?

M.T.-B.: Da hat man mich tatsächlich vorgewarnt. Blockverrechnung ist sicherlich etwas, das es so in anderen Branchen nicht gibt. Die Komplexität in diesem Bereich ist sicherlich eine Besonderheit. Ebenso die Variantenvielfalt - wie unglaublich viele Möglichkeiten es gibt. Das erwartet man, wenn man von außen kommt, nicht unbedingt.

Herr Hogrebe, am Standort Melle steht ein großes Bauprojekt der Nolte-Gruppe an. Die technischen Details waren ja schon einsehbar. Mal in verständliche Worte gefasst: Was ist dort geplant und wann?

M.H.: Die Erweiterungsinvestitionen am Standort Melle sind ein weiterer Schwerpunkt aus unserer „Werksentwicklungsstrategie Technik 2025“. Die Planungen umfassen Hallenneubauten für die Erweiterung der Arbeitsplatten-, Wangen- und Nischenfertigung und eine Kleinserienfertigung für Korpusbauteile. Momentan gehen wir davon aus, dass mit der Erschließung des Baugebiets im ersten Quartal des nächsten Jahres begonnen werden kann und wir in der Folge den Bau der neuen Produktionshallen umsetzen. Das ist aber natürlich auch immer abhängig von der Dauer der einzelnen Genehmigungsverfahren.

Was waren die jüngsten Investitionen bei Express und was steht für die nähere Zukunft an?

M.H.: Über die Erweiterung der Produktions- und Versandflächen durch den Anbau hatten Sie ja vor einem Jahr schon ausführlich berichtet. Aktuelles Projekt ist die Inbetriebnahme einer neuen Sonderschrankmontagelinie. Insgesamt sprechen wir über ein Investitionsvolumen von etwa 10 Mio Euro.

                        

Wie meistern Sie die aktuellen Herausforderungen auf den Beschaffungsmärkten?

M.H.: Wie alle Marktbegleiter spüren natürlich auch wir die Auswirkungen am Beschaffungsmarkt. Es gibt laufend Preissteigerungen bei Zulieferprodukten und Entspannung ist nicht in Sicht. Wir werden im Tagesgeschäft immer wieder mit Lieferengpässen konfrontiert. Wie wir diese Herausforderungen meistern? Der größte Hebel liegt hier in einem hohen Engagement der verantwortlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus dem Einkauf und der Beschaffung. Die notwendige Transparenz liefert uns das digitale Category Management. Sollte es kurzfristig zu ungeplantem Materialabriss kommen, haben wir alternative Liefermöglichkeiten aufgebaut. Und wir arbeiten an der Bestandsentwicklung. Von Produktionseinschränkungen sind wir so bislang verschont geblieben.

E.W.: Wir haben inzwischen das Phänomen, dass Aufträge auch von Kundenseite verschoben werden. Drei bis vier Wochen vor der geplanten Auslieferung bekommen wir zum Beispiel eine Nachricht, dass das Haus nicht rechtzeitig fertiggestellt werden kann. Es kann kein Estrich gegossen werden, das Dach fehlt oder die Fenster. Diese Aufträge muss man nach hinten verschieben und es ergibt sich vielleicht ein Zeitfenster, um andere Kommissionen vorzuziehen. Solche Verschiebungen werden im Moment sehr viel häufiger.

Das macht die Planung schwieriger.

E.W.: Ja, auch im Handel. Einen Montagetermin um vier Wochen zu verschieben ist nicht einfach, weil Termine schon vergeben sind. Eine Lücke im Kalender kann vielleicht gar nicht spontan gefüllt werden, weil zu dem Zeitpunkt die andere Kommission nicht kurzfristig geliefert werden kann. Das stellt den Handel und uns - zusätzlich zu den Lieferzeiten - vor Herausforderungen. Wenn dreißig bis vierzig Küchen in der Woche nicht abgenommen werden, kann man diese Kapazität auch nicht unbedingt nutzen, weil vielleicht das Material gar nicht disponiert ist.

In der Industrie gibt es also ähnliche Probleme, wie im Handel? Man hört ja oft von Handelsseite, dass die Industrie Ausliefertermine kurzfristig verschieben oder absagen würde.

E.W.: Wir müssen teilweise absagen, wenn wir kein Material haben, aber auch wenn ein Händler keinen Platz im Lager hat, weil Küchen nicht abfließen. Nochmal: Dieses Phänomen der Verschiebungen aufgrund von Baustopps ist wirklich sehr auffällig, gerade in den letzten Wochen.

Ist das im Ausland ebenso der Fall?

Nicht so stark. Mehr in Deutschland, aber auch in Österreich.

Ein anderes Thema: Im Küchenmarkt werden massiv Kapazitäten aufgebaut. Auch bei Nolte ist einiges im Plan. Von Überkapazitäten kann keine Rede sein, es haben alle Küchenmöbelbauer gut zu tun. Wohin gehen die ganzen Küchen?

E.W.: Wir haben seit Jahren steigende Zahlen auf hohem Niveau. Und jedes Jahr wird eine Abschwächung erwartet, die dann nicht eintritt. Aber die Nachfrage nach Neubauten und damit nach neuen Küchen ist ungebrochen hoch, das Thema Renovierung bleibt ebenfalls wichtig. Auch die Auslandsmärkte entwickeln sich für die deutschen Küchenhersteller nach wie vor positiv. Die deutsche Küche ist im Ausland sehr beliebt.

Wie hat sich Nolte Spa entwickelt?

E.W.: Beim Launch letztes Jahr im Juni waren wir richtig optimistisch. Wir waren der Hoffnung, dass die Pandemie bis zum Herbst überstanden wäre. Ein neues Geschäftsfeld unter Coronabedingungen in den Markt zu bringen, ist natürlich schwer. In Deutschland, wo schon ein gutes Angebot an Badmöbeln existiert, besonders. Hier gibt es nahezu 40 Outlets. Stark nachgefragt haben die Badlinie die Exportländer, die die Produkte ja auch schon vorher von uns gefordert hatten. Dort funktioniert es sehr gut, auch im Projektbereich. Gerade wickeln wir ein Übersee-Projekt mit 2.000 Bädern ab.

Nicht jeder Küchenmöbelhersteller kann von sich behaupten, eine Endverbrauchermarke zu sein. Nolte ist als Name durchaus bekannt. Inzwischen bemühen sich auch viele andere Unternehmen aus dem Küchenbereich, direkt zum Endverbraucher durchzudringen. Fühlen Sie sich da bestätigt?

E.W.: Aktivitäten, die darauf abzielen, für den Endkonsumenten als Marke sichtbar zu sein, unternimmt Nolte Küchen schon lange. Es gibt ebenfalls seit langer Zeit Werbung des Handels, in denen das Nolte-Logo abgebildet ist. Zum dritten Mal in Folge sind wir bei NTV Deutschlands beliebteste Küchenmarke, und zudem laut einer Marktbefragung vor drei Jahren sind wir die die bekannteste.

Und haben Sie Ihre Bemühungen in dieser Hinsicht auch noch verstärkt?

E.W.: Wir haben kein Mediabudget für klassische Printwerbung oder ähnliches, aber wir sehen zu, dass uns der Endverbraucher, der sich alle zehn bis 14 Jahre mit Küchen auseinandersetzt, uns an entsprechenden Kontaktpunkten auch findet. Wir sind auf Pinterest, YouTube, Instagram und so weiter unterwegs.

Wir haben als einer der ersten vor fünf Jahren Eva Brenner als Markenbotschafterin aufgenommen, mit der unser Name schon durch die TV-Show „Zuhause im Glück“ verbunden war.

Kann man die Erfolge solcher Aktivitäten messen?

E.W.: Natürlich kann man Bekanntheitsumfragen machen. Was wir ganz deutlich messen können, ist ein extremer Zulauf auf unserer Homepage. Den Auftritt haben wir vor einem Jahr neu gestaltet, dort gibt es Wahnsinns Steigerungsraten bis hin zu 80 Prozent. Immer mehr Leute haben Interesse an uns und finden uns auch. Die müssen wir natürlich an unsere Handelspartner weitervermitteln. Eine Steigerung ist da, womit sie genau im Zusammenhang steht, kann ich nicht sagen.

Was es ja vor Jahren auch noch nicht gab: Dass Leute bei Facebook oder Pinterest der halben Welt voller Stolz ihre neue Nolte-Küche zeigen. Das bringt sicher auch Zulauf.

Ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit und das Interview!

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